Bloomberg ist Demokraten dicht auf den Fersen
Bloomberg ist Demokraten dicht auf den Fersen
Von Peter De Thier, WashingtonSein Wahlslogan ist mindestens so einprägsam wie Donald Trumps Schlachtruf “Make America Great Again”, klingt bei Michael Bloomberg (78) aber glaubwürdiger: “Mike will get it done!”, also “Mike wird es schon richten!”. Ein echter Macher, der es mit seinem weltumspannenden Medienimperium auf ein Privatvermögen von fast 62 Mrd. Dollar gebracht hat, will nun 46. Präsident der Vereinigten Staaten werden.Bei demokratischen Kandidaten, die spüren, dass der frühere Bürgermeister von New York ihnen dicht auf den Fersen ist, geht jedenfalls die Angst um. Auch Trump ist sichtlich nervös geworden und twittert laufend gegen “Mini Mike”, der bei den Fernsehdebatten “auf einem Bus stehen” müsse, wenn er dem Präsidenten in die Augen schauen wolle. Bloomberg schüttelt aber jede Attacke souverän ab und versteht es, mit scharfen Kontern den Präsidenten genauso schnell wieder bloßzustellen.Die Laufbahn des Unternehmers, Politikers und Philanthropen, der bereits 8 Mrd. Dollar für wohltätige Zwecke gespendet hat, ist ebenso ungewöhnlich wie seine Präsidentschaftskampagne. Der Sohn eines Buchhalters aus Boston ist studierter Elektroingenieur und absolvierte seinen Master in Betriebswirtschaft an der renommierten Harvard-Universität. Beim Investmentunternehmen Salomon Brothers machte Bloomberg eine steile Karriere, zunächst als Aktienhändler und dann als Architekt eines computergestützten Systems für den Wertpapierhandel. Unternehmer und PolitikerMit 39 Jahren wurde er im Zuge einer Akquisition entlassen, besaß aber Firmenanteile im Wert von 10 Mill. Dollar. Mit dem Startkapital gründete er eine Firma, die mit den sogenannten “Bloomberg Terminals” Wall-Street-Firmen mit aktuellen Finanzdaten, Analysen und Nachrichten versorgte. Heute beschäftigt Bloomberg L.P. mehr als 20 000 Mitarbeiter und erwirtschaftete vergangenes Jahr einen Konzernumsatz von über 10 Mrd. Dollar.Nach den Terroranschlägen vom 11. September wurde Bloomberg als Republikaner zum Bürgermeister von New York gewählt und zwei Mal im Amt bestätigt. Parteien fühlt sich Bloomberg weniger verpflichtet als politischen Ideen. 2007 verließ er die Republikanische Partei, blieb als Unabhängiger bis 2013 im Amt und trat 2018 den Demokraten bei.Der erste jüdische Präsidentschaftskandidat mit ernsthaften Chancen auf das höchste Amt im Lande will den Klimawandel bekämpfen, plädiert für schärfere Waffenkontrollen und hat keine Angst vor der Waffenlobby NRA. Auch stehen bei ihm Bildungsreform und Steuersenkungen für die Mittelklasse auf dem Programm. Sein vorrangiges Ziel, daraus macht Bloomberg keinen Hehl, ist aber ein anderes: Sicherzustellen, dass Trumps erste Amtsperiode seine einzige bleibt.Dass die Demokraten in Bloombergs Wahrnehmung keinen Kandidaten mit Siegeschancen gegen Trump gestellt haben, war die Motivation für seine einzigartige Kandidatur. So hat er auf die Teilnahme an den ersten Vorwahlen verzichtet und wird erst Anfang März am Super Tuesday auf dem Wahlzettel stehen. Dafür bombardiert Bloomberg Wähler aber mit Anzeigen auf sämtlichen Medienplattformen und hat dafür allein vergangenen Monat 350 Mill. Dollar ausgegeben.Das wiederum hat Wirkung gezeigt. In nationalen Umfragen legt Bloomberg nämlich kräftig zu. Vor wenigen Wochen mit lediglich 2 % scheinbar hoffnungslos abgeschlagen, hat er eine fulminante Aufholjagd gestartet und bringt es in nationalen Umfragen mittlerweile auf mehr als 14 % der demokratischen Stimmen. Unbegrenzte RessourcenDass seine private Wahlkasse praktisch ein Fass ohne Boden ist, bringt andere Demokraten zur Verzweiflung, die auf Spendensammeln angewiesen sind und mit der Ausnahme von Bernie Sanders schon bald auf dem Trockenen sitzen könnten. Dabei schert sich Bloomberg nicht im Geringsten um Vorwürfe, er wolle die “Nominierung kaufen”. Trump sei der gefährlichste Präsident in der Geschichte, “und ich werde so viel ausgeben, wie notwendig ist, um ihn zu besiegen”.