Casellati soll Italiens Parteien zähmen
Casellati soll Italiens Parteien zähmen
tkb – Die erst vor wenigen Wochen ernannte italienische Senatspräsidentin Maria Elisabetta Alberti Casellati soll den Streit zwischen der Movimento 5 Stelle (M5S) und der Mitte-Rechts-Koalition schlichten. Staatspräsident Sergio Mattarella hat der 71-jährigen Juristin gestern das Mandat erteilt zu sondieren, inwieweit die beiden Gewinner der Parlamentswahlen vom 4. März bereit sind, gemeinsam eine Regierung zu bilden. Erst zum zweiten Mal in Italiens Nachkriegsgeschichte wurde eine Frau mit der heiklen Aufgabe betraut, eine Regierungsbildung zu sondieren. Der verstorbene Staatspräsident Francesco Cossiga hatte das Mandat im Jahr 1987 der damaligen Präsidentin der Abgeordnetenkammer, Nilde Iotti, erteilt.Politische Beobachter zeigen sich skeptisch, ob die Berlusconi-treue Juristin es tatsächlich zustande bringt, den M5S-Regierungskandidat Luigi Di Maio zu überzeugen, seine Vorbehalte gegen Berlusconi aufzugeben. Denn die Protestbewegung M5S würde zwar gern mit der ebenfalls populistischen, ausländerfeindlichen Lega regieren. Keineswegs aber mit der Forza Italia (FI) von Ex-Premier Silvio Berlusconi.Die im kanonischen Recht promovierte Juristin und Rechtsanwältin war seit 1994, seit der Gründung von Berlusconis Polo della Libertà (Vorgängerpartei der FI), Parteimitglied. Sie wurde 1994 als Abgeordnete in den Senat gewählt und wurde später Sekretärin der FI-Parlamentsgruppe. 1999/2000 avancierte sie zur Kommissarin der FI in ihrer Heimatstadt Rovigo (Venetien). Während der nahezu 20-jährigen Amtszeit von Silvio Berlusconi war sie u. a. Staatssekretärin im Gesundheits- und im Justizministerium sowie Vizepräsidentin des Senats. Die als kompromisslos bekannte Juristin hat sich nicht nur gegen das Interessenkonflikt-Gesetz eingesetzt, das Berlusconis politische Karriere in den neunziger Jahren zu gefährden drohte. Sie führte einen Kampf gegen die Einführung der Anti-Baby-Pille und die erst kürzlich erfolgte Legalisierung der Homo-Ehe. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern stand vor wenigen Jahren in der Kritik, als sie ihrer Tochter Ludovica einen hoch bezahlten Posten im Gesundheitsministerium vermittelte.Ihren Wohnsitz hat Casellati in Padua, in einem Barockpalast des 18. Jahrhunderts. Und ihren Urlaub verbringt sie in der Regel in ihrer Ferienwohnung in Cortina oder in Südkalabrien, wo die Familie, die Anteile der Immobilienfirma ESA hält, eine Luxusvilla besitzt.