NOTIERT IN MADRID

Cava und Katalonien

Kein Produkt aus Katalonien ist so bekannt wie der Cava. Die katalanische Schaumwein-Variante tritt im Ausland erfolgreich gegen den italienischen Prosecco, den deutschen Sekt oder sogar den französischen Champagner an. In Spanien hat der Cava...

Cava und Katalonien

Kein Produkt aus Katalonien ist so bekannt wie der Cava. Die katalanische Schaumwein-Variante tritt im Ausland erfolgreich gegen den italienischen Prosecco, den deutschen Sekt oder sogar den französischen Champagner an. In Spanien hat der Cava selbstverständlich eine Vormachtstellung und gehört besonders zur Weihnachtszeit auf jeden Esstisch. Doch immer, wenn die politischen Spannungen in Katalonien hochkochen, leiden die Cava-Produzenten unter Boykottaufrufen im Rest Spaniens, erst recht in der aktuellen Krise. Da überrascht es nicht, dass sich die Cava-Firmen dem Exodus der Wirtschaft anschließen und ihren Sitz in andere Regionen verlagern. Doch die Entscheidung von Codorníu Raventós zum Umzug in die Weinanbauregion La Rioja, wo die Firma weitere Güter besitzt, ist aufgrund ihrer Symbolik ein sehr harter Schlag für die Katalanen. Die Marke steht wie kaum eine andere für Katalonien. Gegründet 1551, handelt es sich um eines der ältesten Familienunternehmen der Welt. Die Familie Raventós war es offenbar, die im 19. Jahrhundert die Methode zum Anbau des katalanischen Cava erfand. Der Hauptkonkurrent Freixenet will erst Ende des Monats über eine Verlegung des Firmensitzes entscheiden, doch der Vorstoß von Codorníu lässt kaum eine andere Wahl. Seit Jahren wächst die Produktion von Cava in der Extremadura im Westen Spaniens. *Rund 700 Unternehmen sind seit dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober umgezogen, und täglich werden es mehr. Dabei handelt es sich zunächst um eine reine Adressänderung, von der die eigentliche geschäftliche Aktivität noch nicht betroffen ist. Die Firmen wollen Rechtssicherheit schaffen vor dem drohenden Szenarium einer Unabhängigkeitserklärung. Das Ausmaß der Reaktion der Wirtschaft hat Anhänger wie Gegner der Idee eines eigenen Staates ziemlich überrascht. Die Separatisten hatten bis zum Referendum immer abgestritten, dass es im Ernstfall zu einer solchen Abwanderung kommen würde, und das Schweigen der Wirtschaftsbosse schien diese Version zu bestätigen. Nun sind sechs der sieben katalanischen Konzerne des Ibex 35 weggezogen, darunter die beiden Großbanken Caixabank und Banco Sabadell. Aber mittlerweile zieht es auch kleinere Firmen in die Ferne, wie Bruixa d’Or (“Die goldene Hexe”), die Lotto-Annahmestelle, welche die meisten Lose der spanischen Weihnachtslotterie verkauft. Andere Unternehmen bleiben dagegen trotz der Zuspitzung des Konflikts ruhig, wie die spanische Tochter von BASF, die in Katalonien einen wichtigen Standort hat. Auch die VW-Tochter Seat will in Martorell bleiben. Allerdings wurde wegen der “politischen Lage” die geplante Präsentation eines neuen SUV-Modells vertagt. Auch einige Geschäftsveranstaltungen und Tagungen wurden abgesagt. Die Organisatoren des World Mobile Congress, der wichtigsten Mobilfunkmesse weltweit, haben die Austragung der Veranstaltung im nächsten Jahr bestätigt, doch sie schauen sich die politische Entwicklung genau an. Laut Tourismusverband Exceltur ist die Zahl der Hotelbuchungen in Katalonien zuletzt um 20 % gefallen. Die Probleme haben natürlich Auswirkungen auf ganz Spanien, da dieser Landesteil fast 20 % der nationalen Wirtschaftsleistung ausmacht. Im Haushaltsplan, den Madrid am Montagabend nach Brüssel schickte, wurde die Wachstumsprognose für 2018 um drei Zehntelpunkte auf einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 2,3 % gesenkt. *Derweil verschärft sich die Lage zwischen den Regierungen in Madrid und Barcelona. Am Montagabend wurden die Anführer der beiden Zivilorganisationen ANC und Òmnium Cultural verhaftet – sie gelten als treibender Motor der Separatisten. Es wird nun kaum erwartet, dass der katalanische Ministerpräsident Carles Puigdemont vor dem letzten Ultimatum der spanischen Regierung am Donnerstag klein beigibt. Angesichts der wachsenden Risiken gab der Versicherer Segur Caixa Adeslas am Dienstag bekannt, dass man die Haftpflichtversicherung für die Mitglieder des katalanischen Parlaments aufgekündigt habe.