Chinas Industrie kommt wieder auf die Beine
Chinas Industrie kommt wieder auf die Beine
nh Schanghai – Chinas Konjunkturdaten für April haben für eine positive Überraschung gesorgt: Die Industrieproduktion im Reich der Mitte ist gegenüber Vorjahresmonat unerwartet kräftig um 3,9 % gestiegen. Damit wird erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie zu Jahresbeginn wieder eine Steigerung des Outputs im verarbeitenden Gewerbe verzeichnet.China scheint sich allerdings auf einem ungleichgewichtigen Erholungspfad zu befinden, zeigen die am Freitag vom Statistikbüro verbreiteten Daten. So hinkt der Konsum noch immer kräftig hinterher. Im April gab es einen Rückgang der Einzelhandelsumsätze um 7,5 % gegenüber Vorjahr, womit die Erwartungen der Analysten etwas enttäuscht wurden. Immerhin aber ist eine Erholungsbewegung spürbar, nachdem die Erlöse im Retailgewerbe im März noch um knapp 16 % eingebrochen waren. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf Ebene der Anlageinvestitionen. Sie sind in den ersten vier Monaten um 10,3 % gegenüber Vorjahr gesunken, im März betrug der Rückgang noch 16 %.Analysten sprechen angesichts der anhaltenden Schwäche an der Konsumfront beziehungsweise im Dienstleistungsbereich von einer Wirtschaft der unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Zwar macht die Entwicklung der Einzelhandelsumsätze weitere Fortschritte, doch dürfte sich für die Gesamtwirtschaft eine sogenannte V-förmige und entsprechend rasche Erholung etwas hinziehen, urteilen die China-Ökonomen der Commerzbank.Als Schwachstelle gilt vor allem auch der chinesische Arbeitsmarkt. Im April ist die Arbeitslosenquote im Reich der Mitte zwar nur geringfügig von 5,9 % auf 6 % angestiegen, doch ist zu befürchten, dass sich der Arbeitsmarkt weiter abschwächt – was sich zuletzt an einem dramatischen Rückgang der Zahl von Wanderarbeitern festmachen lässt.Die chinesische Regierung hat bereits angedeutet, dass sie bei der Abwägung von Anregungsmaßnahmen für die Wirtschaft der Entwicklung am Arbeitsmarkt Priorität vor dem Ansteuern einer bestimmten Wachstumshöhe des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gibt. Damit steht auch weiterhin in Frage, ob Peking auf dem Volkskongress am 22. Mai wie bislang üblich ein offizielles Wachstumsziel verkünden lässt oder aber wegen der Unabwägbarkeiten der Corona-Pandemie erstmals seit Jahrzehnten keine feste BIP-Wachstumsmarke ansteuern wird.