Coronavirus dämpft ZEW-Index
Coronavirus dämpft ZEW-Index
Der Ausbruch des Coronavirus hat im Februar der Konjunkturzuversicht der Finanzmarktexperten einen herben Rückschlag verpasst. Besonders kräftig bergab ging es mit den Umfragewerten zur aktuellen Lage und zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate in Deutschland.ba Frankfurt – Angesichts der unberechenbaren wirtschaftlichen Folgen des von China ausgehenden Coronavirus sind die Konjunkturerwartungen der Finanzmarktexperten im Februar kräftig eingebrochen. Ökonomen hatten zwar einen deutlichen Einfluss der Coronavirus-Epidemie auf die in dieser Woche anstehenden Stimmungsindikatoren vorausgesehen, der Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen um 18 auf 8,7 Punkte kam dann aber doch überraschend. Nach drei Zuwächsen in Folge hatten die Volkswirte einen Wert von 21,5 Zählern auf dem Zettel. Der Lageindikator rutschte um 6,2 auf -15,7 Punkte ab, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) gestern mitteilte. Ökonomen hatten auch hier ein Absinken erwartet, allerdings nur auf -10,0 Zähler.”Die befürchteten negativen Folgen der Coronavirus-Epidemie in China auf den Welthandel führen zu einem markanten Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland”, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 194 Analysten und institutionellen Anlegern. Exportorientierung belastetBesonders stark seien die Einschätzungen zur Entwicklung der exportlastigen Sektoren gesunken. Bei Fahrzeugen etwa ging der Saldo um 23,6 auf -65,7 Zähler zurück, für die Elektrobranche vermeldet das ZEW einen Rückgang um 16,6 auf 0,6 Punkte. Zudem habe sich die deutsche Wirtschaft Ende 2019 sowie Anfang 2020 schlechter entwickelt als erwartet. Die Daten machten deutlich, “dass die Konjunkturentwicklung derzeit recht fragil ist”, betonte Wambach.Eine spürbare konjunkturelle Erholung am aktuellen Rand hält Christian Lips von der Nord/LB für unwahrscheinlich: “Allein schon wegen der schwachen Dezemberzahlen für Industrieproduktion, Auftragseingänge und Einzelhandelsumsätze ist allenfalls ein leichtes Wachstum im ersten Quartal möglich.” Selbst wenn das Coronavirus bald eingedämmt und nachhaltige Produktionsausfälle abgewendet werden sollten, blieben diverse Belastungsfaktoren erhalten. Lips nennt die anhaltende Schwäche in der Industrie, die erkennbar verhärteten Fronten vor den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien sowie die Politik von US-Präsident Donald Trump, die das Unsicherheitslevel hochhielten. Auch wenn die direkten Folgen für China und vor allem die Spillover-Effekte für Europa und Deutschland alles andere als verlässlich quantifizierbar seien, zeichne sich ab, “dass die erhoffte Erholung der Weltwirtschaft erneut um zumindest ein bis zwei Quartale verzögert wird”, betonte Lips.Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, erwartet, dass sich die wirtschaftliche Erholung auf das zweite Halbjahr verschiebt. Zunächst bleibe die konjunkturelle Entwicklung eine wackelige Angelegenheit. Es sei “durchaus möglich, dass die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres gegenüber dem Vorquartal leicht schrumpfen wird”, sagte Gitzel. Im weiteren Jahresverlauf würden aber Nachholeffekte zum Tragen kommen. Im Schlussabschnitt 2019 stagnierte die deutsche Wirtschaft, und für das Gesamtjahr vermeldet das Statistische Bundesamt auf Basis erster Schätzungen ein Wirtschaftswachstum von 0,6 %. 2020 sollen es laut Expertenschätzungen – vor allem aufgrund einer höheren Zahl an Werktagen – um die 1 % werden. Die Bundesbank geht von einem Plus von 1,0 % aus, die Bundesregierung von 1,1 %.Mit Blick auf die Eurozone zeigten sich die Umfrageteilnehmer nicht ganz so skeptisch: Die Erwartungskomponente ist um 15,2 auf 10,4 Punkte gesunken, die Lagekomponente blieb mit einem Minus von 0,4 auf -10,3 Zähler nahezu stabil. Auch im Euroraum verlief die Konjunktur im vierten Quartal enttäuschend, insbesondere in Frankreich und Italien.