Das Geschäftsgebaren von Australiens Milliardären
Das Geschäftsgebaren von Australiens Milliardären
Sydneys Gastronomie-König Justin Hemmes steckt möglicherweise in großen Schwierigkeiten. Die Anwaltskanzlei Adero hat ihn im Auftrag einer Gruppe seiner Angestellten wegen systematischer Unterbezahlung im großen Stil verklagt. Hemmes betreibt in Sydney rund 80 Pubs und Veranstaltungszentren und beschäftigt Tausende Kellner, Köche, Manager und andere Angestellte. Adero hat nun laut Presseberichten eine Sammelklage eingereicht, die 235 frühere und gegenwärtige Angestellte unterzeichnet haben. Danach wurden 8 000 Mitarbeiter jahrelang unterbezahlt. Trotz Arbeitsverträgen, in denen eine 38-Stunden-Woche festgeschrieben war, waren 53 und mehr Stunden die Regel. Manche Mitarbeiter berichteten gar von 80 bis 100 Stunden ohne jegliche Bezahlung der Überstunden. Viele Angestellte hätten zudem keinerlei Wochenendzuschläge bekommen. Adero moniert Minusbeträge pro Jahr pro Mitarbeiter zwischen 3 400 und 10 900 austr. Dollar (umgerechnet zwischen 2 000 und 6 300 Euro).Nach australischem Arbeitsrecht kann ein Arbeitgeber lediglich für die letzten sechs Jahre zur Rechenschaft gezogen werden. Selbst ohne mögliche Strafen könnte dies Hemmes` Unternehmen Merivale umgerechnet bis zu 70 Mill. Euro kosten. Hemmes gehört zu den reichsten Einwohnern Sydneys mit einem Privatvermögen von rund 1 Mrd. austr. Dollar. Er ist bekannt für sein Playboy-Image und bewohnt eines der berühmtesten – und teuersten – Häuser mit Hafenblick in Australiens größter Stadt. Er hatte seinen sehr reichen Eltern bereits als 14-Jähriger ein Konzept zum Aufbau des “Establishments” vorgelegt, das später mit seinem Boutique-Hotel, Bars und Restaurants zum Herzstück seines Nightlife-Imperiums wurde. Ein Unternehmenssprecher bezeichnete die Vorwürfe als “lächerlich”. Erst vor kurzem war das Unternehmen des in Australien überaus bekannten Promi- und Fernsehkochs George Calombaris pleitegegangen, nachdem er zur Rückzahlung von knapp 8 Mill. austr. Dollar (4,5 Mill. Euro) an Löhnen verurteilt worden war.Dass in Australien derzeit kein gutes Klima für Milliardäre herrscht, beweisen neben den Vorwürfen gegen Hemmes die weiter anhaltenden Untersuchungen in die Firma des ehemals reichsten Australiers James Packer. Crown Resorts, die im großen Stil Kasinos betreibt, sieht sich derzeit in einer staatlichen Untersuchung Vorwürfen ausgesetzt, Verbindungen zum organisierten Verbrechen zu haben. Außerdem soll das “Crown Casino” in Melbourne sogenannte “Highroller” – Kunden, die Millionen im Wettspiel riskieren – mit kostenlosen Luxusunterkünften, Prostituierten und Drogen angelockt haben. Darüber hinaus wird dem Unternehmen vorgeworfen, Beihilfe zu Geldwäsche im großen Umfang geleistet zu haben. Crown baut in Sydney ein neues Kasino, das speziell für besondere Kunden vor allem aus China entworfen worden ist. Mit 271,3 Metern Höhe wird es das höchste Gebäude in Sydney. *Derweil leidet Australien unter einer Klopapier-Krise. Es ist kaum möglich, auch nur ein Blättchen des Hygieneartikels zu bekommen. Selbst Papiertaschentücher und Küchenpapierrollen sind nicht zu haben. Inzwischen haben die großen Handelsketten – darunter der Discounter Aldi, der in Australien mehr als 500 Läden betreibt, – den Verkauf auf maximal ein Paket pro Konsument beschränkt, was derzeit aber auch niemandem hilft, da es schlichtweg kein Klopapier zu kaufen gibt. Vor vielen Läden bilden sich morgens Schlangen von Menschen, die hoffen, bei Ladenöffnung zumindest einen kleinen Vorrat zu erwerben. Sogar Videos von tätlichen Auseinandersetzungen im verzweifelten Kampf um die Extrarolle zwischen erzürnten Hausfrauen machten die Runde im Internet. Industrieangaben zufolge schieben die Arbeiter in den Klopapierfabriken Sonderschichten, an manchen Standorten wird sogar rund um die Uhr produziert, um den Bedarf zu decken. Auch andere Artikel wie zum Beispiel Reis sind mittlerweile von den Supermärkten rationiert worden. Die Bevölkerung war aufgefordert worden, sich einen Vorrat an Lebensmitteln (und Klopapier) für den Fall anzulegen, dass man sich in Quarantäne begeben muss.