Deutlicher Abschwung am US-Häusermarkt
Deutlicher Abschwung am US-Häusermarkt
Von Peter De Thier, WashingtonDer Aderlass in der US-Wirtschaft als unmittelbare Folge des Coronavirusausbruchs begann mit Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten und Massenentlassungen. Nun schlägt die Pandemie auch auf den Häusermarkt durch. Gespalten sind Ökonomen in ihrer Bewertung des zu erwartenden Abschwungs. Während einige Experten vor einem Einbruch warnen, der so folgenschwer sein könnte wie die Subprime-Häusermarktkrise vor 13 Jahren, glauben andere, dass der Immobilienmarkt mit einem blauen Auge davonkommen wird.Ermutigend sind die jüngsten Eckdaten keineswegs. Bereits im März waren die Baubeginne gegenüber Februar um 22,3 % zurückgegangen und die Zahl neuer Eigenheime, die einen Besitzer fanden, um 15,4 % gefallen. Im April meldete dann der Bauunternehmerverband National Association of Home Builders (NAHB) einen tiefen Sturz des Häusermarktindex von 72 auf 30 Punkte. Dies signalisiert eindeutig eine Kontraktion.Zwar ist der Vergleich zur Preisblase am Immobilienmarkt von 2005 bis 2007 hinkend. Damals kam die Initialzündung für die Krisen von spekulativen Exzessen und leichtsinniger Kreditvergabe seitens der Banken. Der Ausbruch des Coronavirus und die ergriffenen Schutzmaßnahmen hingegen stellen einen exogenen Schock dar. Gleichwohl weisen die Krisen einige Gemeinsamkeiten auf, etwa die kräftige Verschuldung der Haushalte. Vergleichbar ist auch das hohe Preisniveau. So liegen die Häuserpreise mittlerweile um fast 18 % über dem Vorkrisenniveau. Historisch gesehen entspricht der durchschnittliche Preis eines Eigenheims dem Drei- bis maximal Vierfachen des durchschnittlichen Haushaltseinkommens. 2005 aber lag der Multiplikator bei 5,1 und heute bei 4,4, also erneut ein möglicher Vorbote eines Preissturzes.Infolge der Corona-Pandemie ist es zu Kursverlusten an den Aktienmärkten, Stellenverlusten und zunehmenden Engpässen bei der Kreditvergabe gekommen. Dies könnte zu einer Verkaufswelle führen, wodurch die Preise gedrückt würden. Beschleunigt werden könnte dies durch die allmähliche Normalisierung der Geschäftsaktivität in der Branche. Zurückhaltung bei KäufernBislang jedoch sind nur wenige Häuser auf dem Markt. Denn angesichts der geltenden Kontaktbeschränkungen sind derzeit praktisch kaum Hausbesichtigungen möglich, ein Verkauf daher extrem schwierig. Dazu gesellt sich die Zurückhaltung seitens potenzieller Käufer, deren Optimismus ebenfalls unter der Krise leidet. Wie aus dem Index der Verbraucherstimmung der Universität Michigan hervorgeht, sind Pläne der Privathaushalte, ein Eigenheim zu kaufen, auf den tiefsten Stand seit 40 Jahren gesunken.Sollten die Preise im zweiten Quartal deutlich nachgeben, dann könnte dies, gepaart mit hoher Arbeitslosigkeit und der andauernden Volatilität an den Aktienmärkten, verheerende Folgen für die Gesamtwirtschaft haben. Schließlich befindet sich das Verbrauchervertrauen im Sturzflug. Kommen aber Einkommensverluste, der negative Vermögenseffekt sinkender Häuserpreise und fallender Aktienkurse zusammen, dann würde auch der Privatkonsum, die wichtigste Stütze der weltgrößten Volkswirtschaft, einbrechen. Vorsichtiger OptimismusZu den Optimisten unter den Häusermarktexperten zählt Lawrence Yun, Chefvolkswirt bei dem Immobilienmaklerverband National Association of Realtors (NAR). Yun rechnet weiterhin mit Stabilität am Markt. Trotz “vorübergehender Störungen”, die mit dem Virus zusammenhängen, “werden in den kommenden Monaten die Preise wieder steigen”, sagte Yun. Andere meinen, dass ein Preissturz schon deswegen zumindest in absehbarer Zeit nicht zu erwarten ist, weil der Bestand an Immobilien, die zum Verkauf angeboten werden, im historischen Vergleich relativ gering ist. Hinzu komme, dass die Verkaufstätigkeit deutlich nachgelassen hat. Folglich würde es an Impulsen fehlen, um die Preise zu drücken, stellen jene fest, die keinen nachhaltigen Abschwung erwarten.