Deutsche Wirtschaft wächst im Frühjahr robust

BIP expandiert im zweiten Quartal um 0,6 Prozent - Schwung kommt aus der Binnennachfrage

Deutsche Wirtschaft wächst im Frühjahr robust

ks Frankfurt – Über Deutschland lacht die Konjunktursonne. Im zweiten Quartal hat die größte Volkswirtschaft der Eurozone wegen ihrer florierenden Binnennachfrage das hohe Wachstumstempo aus dem ersten Vierteljahr nahezu halten können.Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal im Vergleich zur Vorperiode um 0,6 %. Höhere Investitionen und steigende Konsumausgaben sorgten laut der preis-, saison- und kalenderbereinigten Schätzung des Statistischen Bundesamts (Destatis) für ein neuerlich sehr flottes Wachstumstempo. Es lag allerdings um 1 Zehntelpunkt unter der Konsensschätzung der Volkswirte.Zudem hat Destatis die Expansionsrate für das erste Quartal um 0,1 Punkte auf 0,7 % nach oben revidiert. Auch die Veränderungsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) weiter zurückliegender Quartale wurden zum Teil geändert. Vielfach wurden sie höherrevidiert. Hauptsächlich diese Korrekturen in der Ausgangsbasis haben die Volkswirte der Commerzbank dazu veranlasst, ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft anzuheben. Wie Chefökonom Jörg Krämer schreibt, wird für 2017 nunmehr eine Zunahme des BIP um 2,0 % vorausgesagt, nach bislang 1,6 %.Anders als zu Jahresbeginn 2017 erwies sich der Außenhandel im vergangenen Frühjahr als Bremse für das Wachstum, “weil die preisbereinigten Importe im Vergleich zum Vorquartal erheblich stärker zunahmen als die Exporte”, wie die Wiesbadener Statistiker erläuterten. Der Schwung kam diesmal aus dem Inland. Sowohl die privaten Haushalte als auch der Staat “erhöhten ihre Konsumausgaben deutlich”, teilte Destatis mit. Auch die Investitionen hätten zugelegt: Für Ausrüstungen, Bauten und sonstige Anlagen sei jeweils mehr ausgegeben worden als im ersten Quartal 2017. In seiner Mitteilung zur vorläufigen BIP-Berechnung für das zweite Quartal nannte Destatis allerdings noch keine Zahlen. Diese sollen am 25. August bekannt gegeben werden.Im Vorjahresvergleich hat sich das Wirtschaftswachstum kalenderbereinigt ebenfalls erhöht. Das reale BIP stieg laut Destatis um 2,1 %, nach 2,0 % im ersten Quartal. Allerdings war der Kalendereffekt demnach in den ersten beiden Quartalen 2017 überdurchschnittlich stark, da es im ersten Quartal drei Arbeitstage mehr und im zweiten Quartal drei Arbeitstage weniger als im Vorjahr gab. Somit zeigt sich bei unbereinigter Betrachtung im zweiten Quartal 2017 ein BIP-Wachstum von 0,8 %, nach + 3,2 % in den drei Monaten davor.Dass der private Konsum in Deutschland sich als zuverlässige und immer wichtigere Konjunkturstütze erweist, liegt auch am anhaltenden Beschäftigungsaufbau. Die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2017 wurde den amtlichen Angaben zufolge von 44,2 Millionen Erwerbstätigen im Inland erbracht. Das waren 1,5 % mehr als ein Jahr zuvor.Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland sind Bankenökonomen durchwegs zuversichtlich gestimmt, auch wenn es mancher Analyst für schwer hält, dass sich das im ersten Halbjahr an den Tag gelegte Wachstumstempo wird halten lassen. Gleichwohl zeigt sich Stefan Grosse von der Nord/LB davon überzeugt, dass “auch die kommenden zwei Quartale noch eine solide Entwicklung aufweisen”. Sorge vor SelbstzufriedenheitFür ING-DiBa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski gibt es “kaum einen Grund, ein plötzliches Ende der aktuellen Entwicklung zu befürchten, obwohl eine gewisse Verlangsamung fast unvermeidbar erscheint”. Gegenwärtig sei das größte Risiko wohl “Selbstzufriedenheit auf Seiten der Politik”. Nach wie vor sei es unwahrscheinlich, dass ökonomische Themen die kommende Bundestagswahl entscheiden werden. Damit die Wirtschaft auch weiterhin dynamisch wachse, sollte die neue Regierung nach Ansicht von Uwe Burkert, dem Chefvolkswirt von LBBW Research, die großen Themen anpacken: “Mit Investitionen in Datenautobahnen, Stromnetze, Forschung und Bildung kann man unser Wohlstandsniveau langfristig sichern.”