Deutschland stürzt in tiefe Rezession
Deutschland stürzt in tiefe Rezession
Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier will die deutsche Wirtschaft mit einem Vier-Stufen-Plan wieder aus der Corona-Rezession führen. Für dieses Jahr erwartete die Bundesregierung einen starken Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 %. Die Erholung fällt 2021 etwas geringer aus. wf Berlin – “Wir werden die schwerste Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erleben.” Mit diesen Worten stimmte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor der Presse in Berlin auf die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten Monaten ein. Nach ihrer Frühjahrsprojektion rechnete die Bundesregierung in diesem Jahr mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um preisbereinigt 6,3 %. Im Zuge des Aufholprozesses erwartet Altmaier 2021 wieder einen Zuwachs um 5,2 %. Die Zahlen sind Basis für die Steuerschätzung Mitte Mai.Die Projektion ist pessimistischer als das Frühjahrsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute, die einen BIP-Rückgang um 4,2 % in diesem Jahr schätzen, und liegt nah an der Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF). Altmaier zeigte sich überzeugt, dass die Bundesregierung sich mit ihrer Sicht der Dinge “in einer realistischen Zone” bewege. Berücksichtigt sind dabei die Beschränkungen für Bürger und Unternehmen von Mitte März an, einschließlich des gesamten Aprils. Von Mai an geht die Projektion von einer schrittweisen Lockerung aus. Ein möglicher Rückfall in Beschränkungen – sollte die Pandemie wieder aufflammen – ist nicht eingerechnet. Der Tiefpunkt wird im zweiten Quartal erreicht, für das die Projektion nur noch ein Niveau von 89 % der wirtschaftlichen Aktivitäten gegenüber 2019 unterstellt.Altmaier warnte vor zu großer Hoffnung auf weitreichende Lockerungsschritte. “Es handelt sich um einen Langstreckenlauf”, sagte der Minister. Nötig sei ein Fahrplan, wie das gesellschaftliche und öffentliche Leben wieder hochgefahren werden könne. Altmaier hat dazu einen Vier-Stufen-Plan entwickelt, für den er allerdings noch keinen Zeitplan bekannt machte.In Stufe eins gehe es um die Optimierung der bestehenden Hilfsprogramme. Stufe zwei betrifft besonders gebeutelte Unternehmen und Branchen wie Großveranstalter, Messen, Kultureinrichtungen oder Gaststätten. Der Minister hofft, dass es gegen Ende Mai zu ersten Lockerungen kommt. Stufe drei sieht ein situations- und bedarfsgerechtes Konjunkturprogramm vor. Dabei müssten auf der Angebotsseite Investitionen und auf der Nachfrageseite der Konsum gestärkt werden. Stufe 4 umfasste ein “Fitnessprogramm” für die Wirtschaft, das vor allem strukturelle Maßnahmen wie internationale Lieferketten und Märkte in die Betrachtung rückt. Getroffen wird durch die Krise besonders die exportstarke deutsche Wirtschaft durch den Rückgang der Weltwirtschaft um voraussichtlich knapp 3 % in diesem Jahr. Bei der Finanzkrise 2008/2009 war das globale BIP nur um 0,1 % zurückgegangen. Die deutschen Exporte brechen demzufolge um 11,6 % in diesem Jahr ein. Wegen der geringeren Binnennachfrage und dem geringeren Bedarf an Vorleistungen sinken auch die Importe 2020 um 8,2 %. Der Einbruch fällt nicht ganz so stark aus wie bei den Exporten, weil der Staat die Nachfrage stützt. Der private Konsum erleidet einen Dämpfer um 7,4 %. Auch die Beschäftigung wird sinken. “Es wird ein Rückgang sein, der schmerzt”, sagte Altmaier. Die Zahl der Arbeitslosen steigt auf 2,62 Millionen Menschen nach 2,27 Millionen im vergangenen Jahr.