Die EZB probt den Coronavirus-Ernstfall

Von Mark Schrörs, Frankfurt Börsen-Zeitung, 7.3.2020 Im Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend herrscht zumeist geschäftiges Treiben. In dem 185 Meter hohen Doppelturm arbeiten knapp 3 000 Mitarbeiter, und dazu kommen immer...

Die EZB probt den Coronavirus-Ernstfall

Von Mark Schrörs, FrankfurtIm Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend herrscht zumeist geschäftiges Treiben. In dem 185 Meter hohen Doppelturm arbeiten knapp 3 000 Mitarbeiter, und dazu kommen immer wieder viele Gäste und ganze Besuchergruppen. Am Montag allerdings wird das Bild wohl ein ganz anderes sein. Denn die EZB hat alle Mitarbeiter aufgefordert, von zu Hause aus zu arbeiten, via Teleworking. Entsprechende Informationen der Börsen-Zeitung bestätigte ein EZB-Sprecher auf Anfrage. Die EZB probt den Coronavirus-Ernstfall.Am Mittwoch hatte die EZB bereits Konsequenzen aus der raschen Ausbreitung des Coronavirus in Europa gezogen und eine Reihe Vorsichtsmaßnahmen ergriffen: So soll auf alle nicht unbedingt notwendigen Dienstreisen verzichtet werden, alle nicht unbedingt notwendigen Besuche werden ausgesetzt und Konferenzen in den Räumlichkeiten der EZB werden verschoben. “Durch die Maßnahmen sollen die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewährleistet und zugleich sichergestellt werden, dass die Zentralbank und ihre Bankenaufsichtsfunktion voll funktionsfähig bleiben”, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde.Mit dem eintägigen Teleworking-Testlauf für alle der insgesamt 3 700 Mitarbeiter wird nun die Probe aufs Exempel gemacht, was die “Funktionsfähigkeit” der EZB für den Fall betrifft, dass wegen des Coronavirus Mitarbeiter in großer Zahl oder gar alle Mitarbeiter nicht mehr an ihre angestammten Arbeitsplätze können – im Neubau im Ostend, aber auch an den anderen Standorten wie dem ehemaligen EZB-Hauptgebäude in der Frankfurter Innenstadt, in dem nun die EZB-Bankenaufsicht residiert. Denn auch bei der EZB dürfte sich wie bei vielen Unternehmen beim ersten bestätigten Fall die Frage stellen, ob nicht zumindest alle unmittelbaren Kontaktpersonen oder gar alle zu Hause bleiben müssen. Die EZB sei vorbereitet, sagte der EZB-Sprecher dazu nur.Für die EZB ist es das erste Mal in der nun 20-jährigen Geschichte, dass alle Mitarbeiter zum Teleworking aufgefordert werden. Zwar ist den Mitarbeitern der Zutritt zu den Gebäuden nicht verboten, aber die EZB geht davon aus, dass der weit überwiegende Teil zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten wird. Der Aufruf und die Vorgabe betreffen auch jene Bereiche in der EZB, die als besonders sensibel gelten – wie etwa die Marktoperationen oder den Zahlungsverkehr.Wenn mehrere tausend Mitarbeiter zugleich von außerhalb auf die EZB-Systeme zugreifen, ist das eine immense Herausforderung für die IT. Die Verantwortlichen in der EZB sind aber bester Dinge, dass alles reibungslos funktionieren wird, wie der Sprecher sagte. In den vergangenen Tagen und Wochen haben das eigens ins Leben gerufene Coronavirus-Krisenteam und die zuständigen Experten den Tag intensiv vorbereitet.Das Timing kommt aber nicht unbedingt perfekt. Der Testlauf findet ausgerechnet kurz vor der nächsten geldpolitischen Sitzung des EZB-Rats am Donnerstag statt. Vor den Zinssitzungen gibt es ohnehin immer besondere Aufregung und Geschäftigkeit in der EZB, und dieses Mal gilt das sogar noch mehr, weil die EZB wegen der Konjunktursorgen rund um das Coronavirus und nach der außerplanmäßigen Zinssenkung der US-Notenbank Fed auch geldpolitisch unter großem Druck steht. Der Testlauf musste aber gemacht werden und die EZB wollte sich auch nicht mehr allzu viel Zeit lassen, wie der Sprecher sagte.Die Beratungen des EZB-Rats sollen übrigens wie üblich physisch in der EZB stattfinden – im Sitzungssaal im 41. Stock des Neubaus. Und EZB-Präsidentin Lagarde wird auch wie üblich anschließend vor die Presse treten. Denn die geldpolitischen Pressekonferenzen sind von den erlassenen Vorsichtsmaßnahmen ausgenommen. Die EZB hat bei der Einladung allerdings explizit darum gebeten, dass jene, die Symptome wie Fieber, Husten oder Atembeschwerden zeigen oder bei denen Familienmitglieder solche Symptome zeigen, ebenso zu Hause bleiben und die Pressekonferenz per Webcast verfolgen sollen wie jene, die Kontakt mit Infizierten hatten. Auch da könnte das Treiben also dieses Mal etwas weniger hektisch ausfallen.——Die EZB hat alle Mitarbeiter aufgefordert, am Montag von zu Hause aus zu arbeiten.——