Arbeitszeitrechnung

Erwerbstätige arbeiten mehr, aber weniger produktiv

Erwerbstätige in Deutschland arbeiten im ersten Quartal zwar wieder mehr, wegen der steigenden Beschäftigtenzahl und dem rekordhohen Krankenstand ist es aber immer noch weniger als vor der Corona-Pandemie.

Erwerbstätige arbeiten mehr, aber weniger produktiv

Zahl der Arbeitsstunden steigt deutlich an

Krankenstand so hoch wie noch nie

ba Frankfurt

Erwerbstätige in Deutschland arbeiten zwar wieder mehr, aber immer noch weniger als vor Beginn der Corona-Pandemie. Das liegt an dem rekordhohen Krankenstand, aber auch an der steigenden Zahl der Beschäftigten. Dabei haben laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) insbesondere die Teilzeitstellen zugelegt.

Laut der Arbeitszeitrechnung des IAB stieg das Arbeitsvolumen im ersten Quartal um 0,9% zum Vorjahresquartal auf 15,7 Milliarden Stunden. Ein höherer Wert war zuletzt im dritten Quartal 2019 mit 15,941 Milliarden Stunden gemessen worden. Nachdem auch die Zahl der Erwerbstätigen im Jahresvergleich um 1,0% auf 45,6 Millionen Personen zugenommen hat, ist die Arbeitszeit je erwerbstätige Person um 0,1% auf 345,1 Stunden gesunken. Saison- und kalenderbereinigt stieg sie allerdings im Vergleich zum Vorquartal um 0,5%. Dass die Zahl der Teilzeitbeschäftigten mit 2,1% deutlich kräftiger zugelegt hat als die der Vollzeitbeschäftigten (+0,6%) liegt laut IAB auch am Beschäftigungszuwachs gerade in Branchen mit einem hohen Teilzeitanteil, etwa dem Gastgewerbe oder dem Bereich Erziehung und Unterricht. Insgesamt liegt die Teilzeitquote nun bei 38,8%, das sind 0,4 Prozentpunkte mehr als Anfang 2022.

Der Krankenstand übertraf laut IAB das „bereits sehr hohe Niveau des Vorjahresquartals von 6,36%“ und liegt nun mit 7,11% so hoch wie noch nie. „Deutlich mehr Beschäftigte, Kurzarbeit weitgehend normalisiert – aber wegen des Rekordkrankenstands wird in Deutschland immer noch weniger gearbeitet als vor der Covid-19-Pandemie“, erklärt Enzo Weber, Leiter des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. Die Erwerbstätigen haben zu Jahresbeginn auch nicht mehr so viele bezahlte und unbezahlte Überstunden geleistet, und zwar um 0,2 beziehungsweise 0,3 Stunden weniger als im Vorjahr. Im Durchschnitt misst das IAB 3,2 bezahlte und 4,0 unbezahlte Überstunden je beschäftigten Arbeitnehmer. Im Schnitt bauten die Arbeitnehmer 0,8 Stunden Guthaben auf den Arbeitszeitkonten ab – vor einem Jahr waren es noch 1,3 Stunden.

„Trotz der Rezession wurde weiter Beschäftigung aufgebaut und knappes Personal gehalten“, betonte Weber. Die Stundenproduktivität, die schon zu Beginn des Ukraine-Krieges deutlich gesunken war, sackte Anfang 2023 noch einmal um 1,0% ab. „Die Inflation drückt auf den Konsum, die hohen Energiepreise lassen die Produktion sinken“, erklärte Weber.