Euro-Stimmung auf 16-Jahres-Hoch
Euro-Stimmung auf 16-Jahres-Hoch
ba Frankfurt – Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum setzte auch im Oktober ihren Höhenflug fort: Gemessen am Economic Sentiment Indicator (ESI) der EU-Kommission ist die Stimmung in Unternehmen und privaten Haushalten unerwartet um 0,9 auf 114,0 Punkte gestiegen und liegt nun auf dem höchsten Stand seit Januar 2001. Ökonomen hatten zwar ein Plus im Vormonatsvergleich erwartet, aber nur auf 113,3 Zähler. Besonders optimistisch zeigten sich die Sektoren Industrie (+ 1,2 Zähler) – hier wurde sogar ein neues Allzeithoch erreicht -, Einzelhandel (+ 2,5) und Bau (+ 1,9) sowie Dienstleister (+ 0,8). Einzig die Verbraucherstimmung bleibt mit + 0,2 Punkten beinahe unverändert. “Es herrscht eine umfassend hervorragende Stimmung im Euroraum, die darüber hinaus außerordentlich robust gegenüber politischen und wirtschaftlichen Problemen scheint”, stellt Christian Melzer von der DekaBank fest.Unter den größten Volkswirtschaften der Währungsunion zeigte sich ebenfalls eine recht einheitliche Entwicklung. Die Stimmung stieg vor allem in Deutschland (+ 2,1) und – etwas weniger ausgeprägt – in Italien (+ 1,0). Melzer kann unter Italiens Unternehmern und Konsumenten keine erkennbaren Sorgen um den Reformstillstand und den hohen Schuldenberg des Staates erkennen. Auch in Spanien zeigt sich die Zuspitzung der Situation in Katalonien (siehe Bericht auf dieser Seite) noch nicht im Wirtschaftsvertrauen – der entsprechende Indikator ist um 0,3 auf 110,2 Punkte und damit den höchsten Stand in diesem Jahr geklettert. Wenig Veränderung meldet die EU-Kommission für die Stimmung in den Niederlanden (+ 0,1), wohingegen sie sich in Frankreich (-1,6) eintrübte.Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in der monatlichen Sentix-Umfrage für den Euro Break-up Index (EBI). 8,1 % der Befragten rechnen demzufolge mit einem Euro-Austritt eines Landes innerhalb der kommenden 12 Monate. Als überraschend bezeichnet Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner, dass der spanische Teilindex sogar von 0,9 % auf 0,6 % im Oktober gefallen ist. Etwas mehr Sorgen bereite den Anlegern Österreich: Die absehbare Regierungsbeteiligung der FPÖ hat zu einem Anstieg des österreichischen Teilindex von 0,28 % im August auf aktuell 0,81 % geführt. Insgesamt scheine die Eurozone aber derzeit “relativ gefestigt”, urteilt Hübner.Das ebenfalls von der EU-Kommission erhobene Geschäftsklima BCI, das nur die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe misst, hat um 0,1 auf 1,44 Zähler zugelegt. Dies ist der höchste Stand seit März 2011. Ökonomen hatten hier mit einem Wert von + 1,40 Punkten gerechnet.