Euro-Wirtschaft boomt
Euro-Wirtschaft boomt
Die Stimmung der Unternehmen im Euroraum hat sich im November deutlich stärker verbessert als erwartet. Der Composite-PMI erreichte seinen höchsten Stand seit rund sechseinhalb Jahren. Einige Volkswirte warnen jedoch bereits vor einer wirtschaftlichen Überhitzungjw Frankfurt – Das Wachstum in der Eurozone hat im November weiter an Dynamik gewonnen. Der Einkaufsmanagerindex (PMI) zur Unternehmensstimmung in der Privatwirtschaft, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, stieg im November kräftig um 1,5 auf vorläufig 57,5 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Donnerstag zu seiner Umfrage unter rund 5 000 Unternehmen mitteilte. Dank einer anziehenden Konjunktur weiteten die Firmen im Euroraum ihre Beschäftigung so stark aus wie seit 17 Jahren nicht mehr. Auch die Indizes für Produktion, Auftragseingang und Inflation erreichten allesamt mehrjährige Hochs.”Die rasanteste Zunahme der Auftragsbestände seit über zehn Jahren sorgte für den kräftigsten Beschäftigungsaufbau seit 17 Jahren”, kommentiert IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson die Ergebnisse. Er erwartet für den Jahresschluss ein Wachstum der gesamten Wirtschaft von 0,8 % und damit das stärkste Quartalsplus seit Anfang 2011. Die Daten zeigten, dass der Wirtschaft in den 19 Euro-Ländern “ein starker Jahresausklang und ein guter Start 2018 bevorsteht”.Sowohl die Stimmung in der Industrie als auch in den Dienstleistungsunternehmen hellte sich spürbar auf. Das Markit-Barometer für die Industrie stieg um 1,5 auf 60 Punkte und erreichte den höchsten Stand seit April 2000. Ökonomen hatten hier mit einem Rückgang gerechnet. Der Einkaufsmanagerindex für die Dienstleister stieg überraschend stark um 1,2 auf 56,2 Zähler. In den beiden größten Volkswirtschaften des Währungsraums, Deutschland und Frankreich, legten die Frühindikatoren deutlich zu. Der deutsche Composite PMI stieg um 1,1 auf 57,6 Zähler, hier war die Industrie der ausschlaggebende Teil. Die deutsche Industrie beschleunigte ihr Wachstum im November so stark wie seit fast sieben Jahren nicht mehr. Deren Einkaufsmanagerindex sprang um 1,9 auf 62,5 Punkte hoch, wie IHS-Markit mitteilte. Frankreich unter VolldampfIn Frankreich fiel die Verbesserung noch stärker aus. Hier machte der Composite PMI einen deutlichen Satz von 57,4 auf 60,1 Punkte nach oben. In Frankreich war vor allem der Servicesektor führend, obwohl die Industrie hier ebenfalls an Dynamik gewann. “Die Party für die Privatwirtschaft in Frankreich geht weiter”, kommentierte Markit-Experte Alex Gill. Auch das französische Geschäftsklima befindet sich im Höhenflug und erreichte im November seinen höchsten Stand seit fast zehn Jahren. Das Stimmungsbarometer für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone stieg um 2 Punkte auf 111 Zähler, wie das Statistikamt Insee am Donnerstag mitteilte. Die Stimmung in der französischen Wirtschaft befindet sich seit Anfang 2015 tendenziell im Aufwind. Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft seit kürzerem ebenfalls besser. Allerdings leidet die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone weiter unter einer vergleichsweise hohen Arbeitslosigkeit und hohen Schulden.Bankvolkswirte interpretierten die Zahlen grundsätzlich positiv, es wurden aber auch warnende Stimmen laut. “Ein Ende des Booms ist nach den heutigen Daten kaum zu erwarten, denn die Unternehmen sind davon überzeugt, dass die Zukunft rosig aussieht”, sagt Stefan Kipar von der BayernLB. Andreas Scheuerle, Ökonom bei der DekaBank, hingegen warnt: “Die Industrieindikatoren deuten auf eine Überhitzung in Deutschland hin, und auch die Eurolandkonjunktur als Ganzes scheint heißzulaufen.” In Deutschland zeichneten sich Lieferengpässe ab, die Kapazitäten seien stark ausgelastet. “Noch versuchen die Unternehmen, dies mit einer Ausweitung der Beschäftigung zu kompensieren, doch das wird angesichts knapper Fachkräfte immer schwieriger.” Rückenwind für die EZBRückenwind lieferten die PMI-Daten den Ökonomen zufolge für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). “Die heutigen Daten zeigen einmal mehr, dass die extrem expansive Geldpolitik in der Realwirtschaft ankommt”, meint Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Das kräftige Wachstum erlaube der EZB, die unausweichliche Verringerung ihrer Anleihekäufe 2018 als gerechtfertigt darzustellen. Denn das kräftige Wachstum werde über kurz oder lang auch die Inflation anschieben.—– Wertberichtigt Seite 8