Euro-Wirtschaftsstimmung bricht drastisch ein
Euro-Wirtschaftsstimmung bricht drastisch ein
ba Frankfurt – Die Corona-Pandemie und die dagegen ergriffenen Schutzvorkehrungen vieler Länder haben die Wirtschaftsstimmung im Euroraum im März so kräftig einbrechen lassen wie nie. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) ist im Monatsvergleich um 8,9 auf 94,5 Punkte abgerutscht. Zu dem stärksten Einbruch seit Beginn der Erhebung im Jahr 1985 haben die Stimmungseintrübungen bei den Verbrauchern und aller Unternehmensbereiche beigetragen, wie die Brüsseler Behörde gestern mitteilte. Ökonomen hatten erwartet, dass der Indikator sogar auf 91,6 Zähler und damit noch deutlicher unter sein langjähriges Mittel von 100 Punkten fällt – jene Schwelle, die eine schrumpfende Wirtschaftsleistung andeutet.Damit unterstützt der ESI die bereits von den Einkaufsmanagerindizes gesendeten Rezessionssignale. Die Wirtschaftsweisen erwarten laut dem gestern veröffentlichten Sondergutachten im Basisszenario einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Eurozone von 2,1 % (siehe Bericht auf dieser Seite).Allerdings weist die EU-Kommission auch auf die eingeschränkte Aussagekraft der Daten hin, da die Umfrage zwar zwischen dem 26. Februar und dem 23. März stattfand, ein Großteil der Meldungen aber noch vor Inkrafttreten der einschneidenden Schutzmaßnahmen abgegeben worden ist. Die Ausgangssperren und Produktionsstopps sind seitdem ausgeweitet worden, so dass der Großteil der wirtschaftlichen Belastung in den Ländern des gemeinsamen Währungsgebiets auf das zweite Quartal fallen wird. Ökonomen erwarten für die kommenden Monate weitere Rückgänge der Stimmungsindikatoren und der harten Daten.Unter den größten Euro-Volkswirtschaften fiel der ESI in Italien mit – 17,6 Zählern am kräftigsten – in jenem Land, das in Europa als erstes und bislang am stärksten unter der Corona-Pandemie leidet. Der Rückgang von 3,4 Zählern in Spanien, dem mittlerweile nach Italien am zweitschwersten betroffenen Land Europas, könnte durch die Erhebungsproblematik unterzeichnet sein. In Deutschland fiel der ESI um 9,8 Punkte, gefolgt von Frankreich mit einem ESI-Rückgang um 4,9 Zähler und den Niederlanden mit einem Minus von 4,0 Punkten.Wie schon von den Einkaufsmanagerindizes angedeutet, ist das Wirtschaftsvertrauen vor allem bei den Dienstleistern stark zurückgegangen – laut EU-Kommission ist der entsprechende Index um 13,3 Punkte gesunken. In der Industrie, dem Sorgenkind der Euro-Wirtschaft, ist das Vertrauen um 4,6 Punkte gefallen. Im Einzelhandel, der besonders von den Corona-Schutzmaßnahmen betroffen ist, ist das Vertrauen um 8,1 Zähler gesunken. Als stärkste Kräfte für die negative Entwicklung in allen Teilbereichen macht Christian Melzer, Ökonom der DekaBank, die Erwartungskomponenten aus.Ebenfalls abgestürzt ist der Index der Beschäftigungserwartungen (Employment Expectations Indicator, EEI) – die EU-Kommission vermeldet ein Minus von 10,9 Punkten im Monatsvergleich. Die Beschäftigungspläne haben sich dabei in allen vier Wirtschaftssektoren verschlechtert, insbesondere bei Dienstleistern und im Einzelhandel. Auch bei den Verbrauchern ist die Angst vor dem Jobverlust gestiegen – dies wird im EEI allerdings nicht erfasst.