EZB lobt Erfolg von Kurzarbeitsmodellen
EZB lobt Erfolg von Kurzarbeitsmodellen
ba Frankfurt – Das Instrument der Kurzarbeit hat einer Studie der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge nicht nur in der globalen Finanzkrise 2008/2009, sondern auch in der Coronakrise seinen Nutzen bewiesen und deren Auswirkungen auf die Lohnkosten der Unternehmen und das verfügbare Einkommen der Haushalte abgefedert. Die in den Ländern des Euroraums eingeführten oder überarbeiteten Programme zu Kurzarbeit oder befristeten Entlassungsregelungen würden auch den wirtschaftlichen Aufschwung unterstützen, schreiben die Volkswirte der EZB in ihrer Analyse, die die Notenbank gestern vorab aus dem heute erscheinenden Wirtschaftsbericht veröffentlicht hat.Mittels dieser Programme würden die Arbeitsverhältnisse erhalten, so dass die Arbeitnehmer verfügbar sind und die Unternehmen bereit sind, ihre Tätigkeit wieder aufzunehmen, sobald die Sperrmaßnahmen aufgehoben werden. Daher fielen die Jobverluste geringer aus im Vergleich zu Ländern, in denen es solche Regelungen kaum oder gar nicht gebe.Im April lag die Arbeitslosenquote im Euroraum laut dem Statistikamt Eurostat bei 7,3 %, in den USA hingegen bei 14,7 %. In der Studie schätzt die EZB auf Basis von Angaben nationaler Institute, dass im Euroraum Mitte Mai etwa 36 Millionen Beschäftigte in solchen Programmen gewesen sind.Ohne Kurzarbeitergeld hätten die Haushalte im gemeinsamen Währungsraum während der Sperrzeit bis zu 22 % ihres Nettoarbeitseinkommens verloren – so waren es nur 7 %. Dabei seien allerdings “erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Personen und zwischen den Ländern zu berücksichtigen”, schränken die EZB-Experten ein. Nach dem Ende des Lockdowns, wenn es nur noch geringe Auswirkungen gebe, könnte der Verlust des Nettoarbeitseinkommens auf 3 % zurückgehen. Da die Kurzarbeitsprogramme auch den Cash-flow der Unternehmen sichern, dürften weniger Jobs in Gefahr sein, bis sich die Wirtschaft erholt, heißt es bei der EZB.Die Volkswirte der Allianz sind da allerdings skeptisch: Trotz der Soforthilfemaßnahmen erwarten sie in fünf großen europäischen Ländern 4,3 Millionen zusätzliche Arbeitslose in diesem Jahr. Zudem hätten in den vier größten Euro-Volkswirtschaften sowie dem Vereinigten Königreich 9,1 Millionen Arbeitnehmer – das sind 20 % der aktuellen Kurzarbeiter beziehungsweise 6 % aller Beschäftigten – ein höheres Risiko, 2021 ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn die Unterstützungsmaßnahmen auslaufen. Solche “Zombie-Jobs”, bei denen Kurzarbeitsprogramme den Verlust von Arbeitsplätzen bestenfalls verzögern können, gebe es weniger in Deutschland als in Großbritannien, Italien und Spanien, da diese Länder einen relativ großen Anteil an arbeitsintensiven Sektoren wie Baugewerbe, Einzelhandel sowie Beherbergungs- und Gaststättengewerbe aufwiesen, heißt es bei der Allianz. Die Politik müsse rasch handeln, um eine aufgeschobene Massenarbeitslosigkeit zu verhindern – eine “Kombination aktiver Arbeitsmarktpolitik (Höherqualifizierung, Vermittlung) mit Lohnsubventionen ist dringend und wichtig”, so die Allianz-Experten.Die Kurzarbeit treibt auch die Arbeitskosten in die Höhe – im ersten Quartal um rekordhohe 4,3 % im Vergleich zum Vorjahr. Und auch die Lohnstückkosten steigen durch die Kurzarbeit, doch ist das IMK-Institut zuversichtlich, dass der Ausnahmeeffekt wie schon nach der globalen Finanzkrise nur kurzfristig sein wird. Mit geringeren Lohnerhöhungen auf die Coronakrise zu reagieren, sei verheerend, warnt das IMK.