WERTBERICHTIGT

Griff in den "Giftschrank"

Börsen-Zeitung, 3.4.2020 Dass Investoren in Scharen die Flucht ergreifen, ist für viele Schwellenländer kein neues Phänomen. Ungewohnt ist, in welcher Rasanz Anleger ihr Geld abziehen. Die Kapitalabflüsse aus den aufstrebenden Volkswirtschaften in...

Griff in den "Giftschrank"

Dass Investoren in Scharen die Flucht ergreifen, ist für viele Schwellenländer kein neues Phänomen. Ungewohnt ist, in welcher Rasanz Anleger ihr Geld abziehen. Die Kapitalabflüsse aus den aufstrebenden Volkswirtschaften in den vergangenen Wochen toppen alle früheren Krisenerfahrungen. Ihre Währungen taumeln. Das setzt vor allem jene Staaten und Firmen unter Druck, die in Fremdwährungen hoch verschuldet sind. Dass ein Gros der Währungshüter in Schwellenländern von Mexiko-Stadt bis Jakarta im Ansinnen, die heimische Konjunktur zu stützen, die Zinsen gesenkt hat, verschärft die Probleme noch, denn der – verständliche – geldpolitische Reflex schwächt die heimische Währung weiter. Gerade Rohstoffexporteure sind aber auf den Zufluss von Devisen angewiesen. Um den Aderlass zu stoppen, könnten bald Kapitalverkehrskontrollen ins Spiel kommen. Von Malaysia (1998) bis Griechenland (2015) haben sie sich wiederholt als probates Kriseninstrument erwiesen. Und selbst der IWF hat dieses einst verpönte Mittel nach der Finanzkrise zögerlich aus dem “Giftschrank” geholt.rec