Herman Van Rompuy 70
Herman Van Rompuy 70
ahe – Herman Van Rompuy mischt sich immer noch gerne in aktuelle Brüsseler Debatten ein und ist als Präsident der Denkfabrik European Policy Centre (EPC) auch noch immer auf der Suche nach den richtigen Wegen zu einer weiteren europäischen Integration. Als EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker kürzlich vorschlug, die Präsidentenämter von Kommission und Rat zusammenzulegen, kam auch von Van Rompuy schnell eine klare Ansage: Dies schaffe mehr Probleme als Lösungen, sagte er. In der EU gebe es immer Spannungen zwischen den europäischen Interessen und den Interessen der Mitgliedsländer. Das derzeit existierende Gleichgewicht zwischen den Institutionen dürfe man nicht stören – ganz abgesehen von den zu erwartenden Widerständen aus den EU-Mitgliedstaaten und den rechtlichen Problemen. Die SphinxDer Belgier weiß genau, wovon er spricht: Nach einer kurzen Zeit als Regierungschef seines Landes war er von Dezember 2009 bis Ende November 2014 für zwei Amtszeiten der erste ständige Präsident des Europäischen Rates und damit der Vorgänger des Polen Donald Tusk, der das Amt heute ausfüllt. Anfangs wurde er kritisch beäugt und sogar nur als ein zweitklassiger Ersatz für vermeintlich echte politische Größen der EU angesehen. Dies änderte sich dann aber sehr rasch.Der bedächtig formulierende, aber messerscharf kombinierende Vater von vier Kindern konnte sich als Dirigent im Konzert von 28 Staats- und Regierungschefs durchsetzen und erwarb sich unter den Brüsseler Diplomaten zugleich auch den Ruf eines hartnäckigen Verhandlers. Dabei spielte er sich selbst nie in den Vordergrund. In Belgien wurde Van Rompuy aufgrund seines eher unscheinbaren und zurückhaltenden Auftretens sogar der Spitzname “Die Sphinx” verpasst.Seine Schulzeit hatte Van Rompuy in Brüssel verbracht und studierte dann an der Katholischen Universität Löwen Philosophie und Betriebswirtschaft. Schon als 27-Jähriger mischte er als Vizechef der Jugendorganisation der konservativen Partei politisch mit, wurde dann 1988 für einige Jahre auch Parteivorsitzender. In den 1980er Jahren leitete er unter anderem ein Zentrum für politische, ökonomische und soziale Studien, lehrte an der Handelshochschule Antwerpen sowie an der Flämischen Wirtschaftshochschule in Brüssel.Für seinen Einsatz um die Einigung Europas erhielt der Politiker 2014 den Aachener Karlspreis. Die Freie Universität Amsterdam verlieh ihm einen Ehrendoktor und vom belgischen König wurde er sogar in den Grafenstand erhoben. Der stets gelassen wirkende Van Rompuy feiert am Dienstag seinen 70. Geburtstag.