WERTBERICHTIGT

Hilferuf aus Genf

Börsen-Zeitung, 22.2.2020 Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leistet seit Jahrzehnten Beachtliches. Die Kinderlähmung Polio etwa gilt heute praktisch als ausgerottet - einer groß angelegten Impfkampagne sei Dank. Nun ist die WHO selbst in Not,...

Hilferuf aus Genf

Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leistet seit Jahrzehnten Beachtliches. Die Kinderlähmung Polio etwa gilt heute praktisch als ausgerottet – einer groß angelegten Impfkampagne sei Dank. Nun ist die WHO selbst in Not, wieder einmal: Ihr fehlen Hunderte Millionen Euro für den Kampf gegen das Coronavirus und die nach wie vor nicht ausgestandene Ebola-Epidemie im Kongo. Der Hilferuf aus Genf lenkt den Blick auf einen beklagenswerten Zustand: Die WHO finanziert sich zu rund vier Fünfteln aus privaten Spenden, allen voran der Stiftung von Milliardär Bill Gates und dessen Frau Melinda. Dabei müssten die führenden Industrieländer dieser Welt das Hauptinteresse haben, dass die Arbeit der WHO funktioniert. Das Coronavirus zeigt ihnen gerade, wie verwundbar ihr Wohlstand in Zeiten global vernetzter Lieferketten und Absatzmärkte ist. Man kann nur hoffen, dass das Coronavirus nicht noch auf ein Land übergreift, das mangels eines funktionierenden Gesundheitssystems nicht reagieren könnte. Besser wäre es, die WHO dazu zu befähigen, in diesem Fall handlungsfähig zu sein. rec