Konjunktur

Inflation in Deutschland geht zurück – und bleibt doch zu hoch

Die Teuerungsrate in Deutschland sinkt im April erneut. Zugleich verzeichnen die Importpreise den ersten Rückgang seit mehr als zwei Jahren. Trotzdem verharrt die Inflation auf viel zu hohem Niveau. So bleibt auch der Druck auf EZB hoch.

Inflation in Deutschland geht zurück – und bleibt doch zu hoch

Inflation in Deutschland geht zurück – und bleibt doch zu hoch

Teuerungsrate sinkt im April erneut – Importpreise verzeichnen ersten Rückgang seit mehr als zwei Jahren – Druck auf EZB bleibt hoch

ms Frankfurt

Die Inflation in Deutschland ist weiter auf dem Rückzug. Im April ging die Teuerungsrate laut einer ersten Schätzung erneut zurück – teilweise sogar überraschend. Zugleich gibt es Signale und Daten, nach denen auch der zugrundeliegende Preisdruck und der Preisdruck auf den vorgelagerten Stufen nachlassen. Nichtsdestotrotz verharrt die Teuerung aber auf sehr hohen Niveaus und eine baldige Rückkehr zum Inflationsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) zeichnet sich nicht ab. Das unterstützt die Erwartung weiterer EZB-Zinserhöhungen.

Die Inflation in Deutschland hatte in den Jahren 2021 und 2022 deutlich sowie viel stärker als erwartet angezogen und zeitweise Niveaus wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr erreicht. Hintergrund waren zum einen Folgen der Corona-Pandemie und zum anderen der Ukraine-Krieg. Die hohe Inflation hatte lange Zeit die öffentliche Diskussion beherrscht und Politik sowie EZB unter enormen Druck gesetzt. Trotz des Rückgangs der vergangenen Monate bleibt sie ein großes Problem für viele Menschen und für die Wirtschaft. So bremst die Teuerung beispielsweise den Konsum.

Im April setzte sich nun aber zumindest der jüngste Rückgang fort. Waren und Dienstleistungen kosteten laut EU-harmonisierter Berechnung (HVPI) 7,6% mehr als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Im März hatte das Plus noch bei 7,8% gelegen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten eine unveränderte Rate erwartet. In nationaler Rechnung (VPI) ging die Teuerung von 7,4% auf 7,2% zurück. Das ist die niedrigste Teuerungsrate seit August 2022. Volkswirte hatten da nur mit einem Rückgang auf 7,3% gerechnet. „Wir sind bei der Inflation auf einem guten Weg, aber der Weg zur Stabilität ist noch lang”, sagte DekaBank-Chefvolkswirt Ulrich Kater.

Die Daten für die Bundesländer deuten zudem darauf hin, dass die Kernrate ohne Energie und Lebensmittel im April gesunken sein könnte. Laut Berechnungen von Bantleon-Volkswirt Jörg Angelé ist sie von 5,8% auf 5,7% zurückgegangen. Die Kerninflation steht aktuell auch bei der EZB im Fokus, weil sie als besserer Gradmesser für den zugrundeliegenden Preisdruck gilt. Für ein wenig Aufatmen sorgte am Freitag auch, dass die deutschen Importpreise im März zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren gesunken sind. Sie verbilligten sich um durchschnittlich 3,8% im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist der erste Rückgang binnen Jahresfrist seit Januar 2021, der vor allem auf sinkende Energiepreise zurückgeht.

Das Inflationsziel der EZB von mittelfristig 2,0% bleibt aber trotzdem vorerst in weiter Ferne. So mancher Beobachter sorgt sich sogar, dass es nun zwar einen schnellen Rückgang der Teuerung in Deutschland auf Niveaus von 3% oder 4% geben könnte, die Inflation dann aber dort verharrt.

Auch in anderen Euro-Ländern liegt die Inflation weiter deutlich oberhalb der 2-Prozent-Marke. In Frankreich etwa verstärkte sie sich im April sogar überraschend wieder. Laut HVPI lag das Preisniveau 6,9% höher als vor einem Jahr, wie das Statistikamt Insee am Freitag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt eine unveränderte Rate von 6,7% erwartet. Im März hatte sie sich abgeschwächt, nachdem sie im Februar ein mehrjähriges Hoch bei 7,3% erreicht hatte.

Mit Spannung wird nun eine erste Schätzung zur Euro-Inflation im April erwartet. Von Bloomberg befragte Ökonomen erwarten im Schnitt ein leichtes Anziehen von 6,9% auf 7,0%. Dagegen könnte es laut Erwartung einiger Volkswirt bei der Kernrate einen Rückgang geben. Im März hatte sie bei rekordhohen 5,7% gelegen. Am Donnerstag entscheidet der EZB-Rat über seine Leitzinsen. Die meisten Beobachter erwarten eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte.