Inflationsdruck in Deutschland leicht erhöht
Inflationsdruck in Deutschland leicht erhöht
rec Frankfurt – Die Inflation in Deutschland nähert sich in kleinen Schritten der von der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Euroraum angepeilten Marke von “nahe, aber unter 2 %”. Der für europäische Vergleichszwecke maßgebliche harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) legte zum Vorjahresmonat um 1,7 % zu. Im Januar waren es 1,6 %. Nach nationaler Rechnung (VPI) haben sich die Preise für Waren und Dienstleistungen bei einem Plus von ebenfalls 1,7 % eingependelt.Trotz einer nahezu ausgelasteten Wirtschaft, historischen Höchstständen bei der Erwerbstätigkeit und robustem Lohnwachstum ziehen die Verbraucherpreise in der größten Volkswirtschaft der Eurozone somit nur langsam an. In der Eurozone als Ganzes ist trotz Null-Leitzins, negativem Einlagezins (-0,5 %) und einer Reihe unkonventioneller geldpolitischer Schritte der Preisdruck deutlich verhaltener. Volkswirte rechnen im Mittel damit, dass die Teuerungsrate im Februar gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,2 Prozentpunkte auf 1,2 % gefallen ist. Dienstag meldet Eurostat Zahlen für die Eurozone.Die Euro-Währungshüter werden im Rahmen der EZB-Ratssitzung am 12. März neue Projektionen zur Wirtschafts- und Inflationsentwicklung veröffentlichen. Bislang gehen sie davon aus, dass die Verbraucherpreise in Euroland bis 2022 auf 1,6 % anziehen dürften. In Kombination mit den jüngsten Daten vom deutschen Arbeitsmarkt (siehe Bericht auf dieser Seite) sieht ING-Ökonom Carsten Brzeski “wenig Anhaltspunkte für die EZB, ihre Wachstumsprognosen zu verändern”. Zusätzlicher RisikofaktorAllerdings ist das Coronavirus als zusätzlicher Risikofaktor für die Wirtschaft hinzugekommen. Für die Inflation könnte die sich weltweit ausbreitende neuartige Lungenkrankheit in den kommenden Monaten durchaus gegenläufige Folgen haben. Werden Vorleistungsgüter etwa aus China, wo die Epidemie ihren Anfang genommen und zu Produktionsausfällen geführt hat, oder anderen Teilen Asiens knapper, dürfte das die Preise für diese Güter treiben. LBBW-Volkswirt Jens-Oliver Niklasch folgert: “Es könnte gut sein, dass dies die Entlastung bei Energiepreisen in etwa kompensiert.” Auch der fallende Ölpreis werde den Preisdruck mindern.In Deutschland war im Februar die Tendenz bei den schwankungsanfälligen Komponenten gegenläufig: Heizöl und Kraftstoffe verbilligten sich gegenüber dem Vormonat, die Preise für Nahrungsmittel legten zu. Im Januar war es genau andersherum gewesen. Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen geht deshalb davon aus, dass sich die Kernteuerungsrate ohne Energie und Lebensmittel auf Jahressicht bei 1,5 % konsolidiert hat: “Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der seit Mitte 2018 zu beobachtende leichte Aufwärtstrend der Kernteuerungsrate zunächst einmal zu Ende ist.” Wie Solveen bemerkt, steigen seit Mitte vergangenen Jahres auch die Löhne nicht mehr so stark. Zusammengenommen sprechen beide Entwicklungen eher nicht dafür, dass der Preisdruck – wie von der EZB beabsichtigt – nachhaltig anzieht.