Japans Wirtschaft wächst schneller
Japans Wirtschaft wächst schneller
mf Tokio – Die japanische Wirtschaft hat ihr Wachstum im Auftaktquartal 2017 dank einer Konsumbelebung und guter Exporte stärker als erwartet beschleunigt. Nach einem Anstieg um revidierte 0,3 % im Schlussquartal 2016 wuchs das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nun um 0,5 % zum Vorquartal. Das ist der höchste Wert seit einem Jahr und entspricht einer Jahresrate von 2,2 %.”Für japanische Verhältnisse ist das ein Erfolg”, kommentierte Analyst Rudolf Besch von der DekaBank. Zugleich verzeichnet Japans Wirtschaft nun fünf Quartale mit Wachstum in Folge. Das ist die längste Aufwärtsphase seit elf Jahren. Damals legte die Wirtschaftsleistung von Anfang 2005 bis Mitte 2006 sechs Quartale lang zu. Privatkonsum zieht anDer größte Wachstumsbeitrag stammte von der Binnennachfrage. Die Verbraucher steigerten ihre Ausgaben um 0,4 % zum Vorquartal, als der private Konsum stagnierte. Das könnte bedeuten, dass die Konsumenten die Erhöhung der Mehrwertsteuer im April 2013 endgültig verdaut haben. Andererseits kann der private Konsum, der 60 % zur Wirtschaftsleistung beisteuert, nur stabil bleiben oder weiter zulegen, falls die Verbraucher mehr im Portemonnaie haben. Doch die realen Einkommen fielen um 0,1 % das zweite Quartal hintereinander.Der zweite Stützpfeiler für das Wachstum waren die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen, die vor allem dank der guten Weltkonjunktur um 2,1 % stiegen. Es war das dritte Quartal mit Exportwachstum hintereinander. Allerdings schwächte sich die Zuwachsrate gegenüber dem Schlussquartal 2016 um ein Drittel ab. Nach dem Sprung um 1,9 % im Vorquartal stiegen die Kapitalausgaben der Unternehmen erneut an, aber nur noch um 0,2 %. Laut Analysten werden derzeit viele Investitionen wegen der unklaren Wirtschaftspolitik der USA verzögert. Dagegen sanken die staatlichen Investitionen um 0,1 % und fielen damit das dritte Quartal in Folge. Die im Herbst auf den Weg gebrachten Zusatzausgaben fließen offenbar nur zögerlich.Das nach offizieller Einschätzung “moderate” Wachstum stützt auch den antideflationären Kurs der Notenbank. “Das Wachstum oberhalb des Potenzialpfades sollte inflationäre Tendenzen mit sich bringen”, schrieb Nord/LB-Analyst Stefan Große. Allerdings blieb der BIP-Deflator als weitester Maßstab für die Preise mit minus 0,8 % das dritte Quartal hintereinander im negativen Bereich. Dennoch gab sich Ökonom Takeshi Yamaguchi von Morgan Stanley MUFG wenig besorgt. Ohne den Einfluss des Außenhandels sei der Deflator erstmals seit sieben Quartalen mit + 0,1 % ins Positive gedreht, schrieb Yamaguchi.