Kapazitätsengpässe bremsen die Euro-Wirtschaft
Kapazitätsengpässe bremsen die Euro-Wirtschaft
ms Frankfurt – Die Stimmung in den Industrieunternehmen im Euroraum hat sich im März auf breiter Front eingetrübt – also über alle Länder und alle Sektoren hinweg. Das zeigt der gestern veröffentlichte endgültige Einkaufsmanagerindex des britischen Forschungsinstituts IHS Markit. Die Forscher warnen aber vor Schwarzmalerei: Der Index signalisiere weiter kräftiges Wachstum. Die Abkühlung führen die Experten unter anderem auch auf zunehmende Kapazitätsengpässe zurück. Der im März geschätzte, überraschend starke Rückgang des Index hatte zusammen mit anderen schwächeren Konjunkturdaten eine Debatte befeuert, ob das Wachstum der Euro-Wirtschaft womöglich stärker abbremsen könnte als erwartet oder sich gar eine konjunkturelle Wende abzeichnet. 2017 war die Wirtschaft um 2,2 % gewachsen. Vor allem in Deutschland gibt es auch Sorgen vor einer Überhitzung der Konjunktur. Die Daten schürten zudem Zweifel, inwieweit die Europäische Zentralbank (EZB) den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik angehen kann.IHS Markit bestätigte nun, dass der Einkaufsmanagerindex im März von zuvor 58,6 auf 56,6 Punkte deutlich gefallen ist. Laut Chris Williamson, Chefökonom des Instituts, ist das der stärkste Rückgang seit Juni 2011 und der tiefste Stand seit acht Monaten. Im Dezember hatte der Index noch ein Allzeithoch von 60,6 Zählern erreicht. Er basiert auf einer repräsentativen Umfrage unter rund 3 000 Industrieunternehmen.Wie IHS Markit mitteilte, kam es im März zu einer verbreiteten Abkühlung. In Deutschland ging die Stimmung sogar noch stärker zurück als vorab geschätzt. Der entsprechende Indexwert fiel um 2,4 auf 58,2 Zähler. Zunächst war noch ein Wert von 58,4 Punkten gemeldet worden. Alle Länder vermeldeten geringere Steigerungsraten bei Produktion, Auftragseingang und Exportneuaufträgen. Betroffen waren dabei die Konsum-, Vorleistungs- und Investitionsgüterbereiche.IHS-Markit-Chefvolkswirt Williamson warnte aber trotz des neuerlichen Rückgangs vor übertriebenen Abwärtsszenarien. “Man sollte nicht allzu besorgt sein, denn eine gewisse Normalisierung war nach dem Boom zum Jahreswechsel unausweichlich”, sagte er. Zusammen mit dem Durchschnittswert für das erste Quartal 2018 von 58,2 Punkten signalisiert der Index laut IHS Markit immer noch anhaltend kräftiges Wachstum in der Eurozone. Auch im März sei das Wachstum wohl “überdurchschnittlich stark” gewesen.Laut den Forschern haben auch “Kapazitätsengpässe infolge des jüngsten Wachstumsbooms” die Produktionssteigerungen gedämpft. “Die Lieferzeiten verlängerten sich in so drastischem Ausmaß wie selten zuvor seit Umfragebeginn”, teilte IHS Markit mit. Das habe verbreitete Engpässe und Lieferverzögerungen bei Rohstoffen nach sich gezogen. Dies gelte vor allem für die Niederlande und Deutschland. Die kurzfristigen Kapazitätsengpässe hinderten die Wirtschaft daran, längere Zeit so stark zu wachsen, so die Forscher. Eine Rolle habe allerdings auch das schlechte Wetter gespielt, hieß es.Die Geschäftsaussichten fielen im März so schlecht aus wie seit 15 Monaten nicht. Dazu hat laut IHS Markit die Aufwertung des Euro beigetragen, die auf den Exporten laste, und in einigen Fällen hohe Preise, die die Nachfrage dämpften. Insgesamt blieben die Aussichten aber recht positiv. Der Inflationsdruck sei anhaltend hoch. “Das dürfte die Geldpolitiker freuen”, so Williamson.