Paris braucht einen Deal mit Berlin

Natixis-Chefvolkswirt Artus zu Macrons Chancen

Paris braucht einen Deal mit Berlin

lz Frankfurt – Frankreichs neuer Staatspräsident Emmanuel Macron ist nach Meinung des Chefvolkswirts von Natixis, Patrick Artus, auf tatkräftige Hilfe aus Deutschland angewiesen, um sein ehrgeiziges Programm durchsetzen zu können. In der ersten Reformphase seien ein Anstieg der Arbeitslosigkeit, zunächst etwas geringere Investitionen und höhere Defizite zu erwarten, bevor sich – wie seinerzeit bei den Agendareformen in Deutschland – dann später die positiven Effekte einstellten. Das müsse politisch durchgestanden werden. Ein Scheitern wäre für ganz Europa “ein Desaster”.Der Chefvolkswirt der Investmentbank der französischen Sparkassen und Genossenschaftsbanken erwartet deshalb einen “Deal” mit Berlin und geht davon aus, dass die Bundesregierung einen Anstieg des Defizits auf wohl 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) unter diesen Umständen hinnimmt. Denn auch Deutschland brauche zur Überzeugung seiner eigenen Bürger für die Stabilisierung der Eurozone eine Vision und sucht nach neuen Perspektive.Allerdings ist Artus auch klar, dass Berlin politisch die Hände gebunden sind, wenn es etwa um die Einführung von Euro-Bonds oder eines eigenen Euro-Budgets geht. Um Macron entgegenzukommen, gebe es aber zahlreiche Möglichkeiten, um “unterhalb eines Eurozonen-Budgets”, Projekte anzuschieben, welche Europa bei den Bürgern in besseres Licht stellen könnten. Artus führt etwa den Juncker-Investitionsfonds an, der aufgestockt werden könne. Die EU-Kommission hatte bereits avisiert, den Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) von den ursprünglich 315 Mrd. Euro bis 2020 auf eine halbe Billion Euro anzuheben. Auch seien “intelligente Projekte” wie eine europäische Arbeitslosenversicherung und ein EU-Berufsbildungsprogramm denkbar sowie neue Projekte der Europäischen Investitionsbank (EIB). Sowohl der EFSI als auch die EIB würden ohnehin schon über eine Form von Euro-Bonds finanziert.