Randal Quarles wird Fed-Bankenaufseher
Randal Quarles wird Fed-Bankenaufseher
det – Mächtigster Kontrolleur der US-Bankenindustrie soll der Investmentbanker Randal Keith Quarles (59) werden. Ihn will US-Präsident Donald Trump zum ersten Vizevorsitzenden der Notenbank Fed machen, womit Quarles faktisch der oberste Bankenaufseher der Nation wäre. Beim “First Vice Chair” handelt es sich um einen Posten, der in Reaktion auf die Finanzkrise geschaffen wurde, vom früheren Präsidenten Barack Obama aber nie besetzt wurde. Zuständig für Bankenaufsicht war das ehemalige Fed-Vorstandsmitglied Daniel Tarullo, der aber im Februar zurücktrat. Staatssekretär unter BushDer Finanzier bringt glänzende Voraussetzungen für seinen neuen Job mit. Der gelernte Jurist, ein Absolvent der angesehenen Columbia-Universität und der Yale-Universität, war unter anderem amerikanischer Exekutivdirektor beim Internationalen Währungsfonds (IWF). Unter Präsident George W. Bush diente er von 2002 bis 2006 in mehreren wichtigen Funktionen im Finanzministerium. Dort brachte es Quarles zum Staatssekretär mit besonderer Zuständigkeit für inländische Finanzen, er engagierte sich aber auch zunehmend in internationalen Angelegenheiten. Ein besonderes Anliegen war ihm die schärfere Überwachung der nunmehr verstaatlichten Hypothekenversicherer Fannie Mae und Freddie Mac, in deren Marktdominanz Quarles eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems sah.Während der Finanzkrisen in Argentinien und Brasilien leitete er eine für Umschuldungsverhandlungen zuständige internationale Arbeitsgruppe. Auch vertrat er die USA beim Financial Stability Forum (FSF) und tauschte sich ausgiebig mit Vertretern der Europäischen Union über Pläne für eine bessere Koordination der internationalen Finanzregulierung aus. Später wurde er Partner in der Private-Equity-Firma Carlyle Group. Heute leitet Quarles die von ihm gegründete Investmentfirma Cynosure Group in seinem Heimatstaat Utah. In der Fed droht er anzueckenWährend seine erstklassigen Qualifikationen für die Schlüsselposition unbestritten sind, könnte Quarles wegen seiner ausgesprochen konzilianten Haltung gegenüber der Finanzindustrie bei anderen Vertretern des Notenbankdirektoriums schnell in Isolation geraten. Während Tarullo sowie Notenbankchefin Janet Yellen die Banken an der kurzen Leine halten wollen, plädieren Quarles und Finanzminister Steve Mnuchin ganz im Sinne des Weißen Hauses für eine deutliche Lockerung der regulatorischen Zügel. Dem Dodd-Frank-Gesetz, dem legislativen Fundament der neuen Finanzarchitektur in den USA, steht der Investmentbanker skeptisch gegenüber, er bezeichnet dessen Zustandekommen als “Konzession gegenüber unangemessenem Druck”. Zudem spricht er sich gegen die Auflösung systemrelevanter Großbanken aus, da hierin eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems bestehe. Dass Kreditinstitute ihre Kapitalpolster weiter aufbauen sollen, hält Quarles für falsch, weil dies seiner Ansicht nach Darlehen verteuern und das Wirtschaftswachstum bremsen würde.Ins Abseits geraten könnte Quarles bei der Fed aber auch wegen seiner Haltung zur Geldpolitik. Er plädiert für eine regelgebundene Zinspolitik und für die Anwendung der Taylor-Regel. Diese stellt eine Beziehung her zwischen der erwarteten Inflationsrate, dem Gleichgewichtszins sowie der Produktionslücke, und im Falle ihrer Anwendung hätte die Fed die Zügel bereits straffer gezogen. Quarles muss von einer einfachen Mehrheit der 100 US-Senatoren bestätigt werden, die Abstimmung gilt aber angesichts seiner Erfahrung sowie der republikanischen Mehrheit im Senat als reine Formsache.