So wenig Wein wie seit langem nicht mehr
So wenig Wein wie seit langem nicht mehr
Das Wetter hat Italiens Weinbauern in den vergangenen Monaten arg mitgespielt. Fröste und dann die lange Trockenperiode im Sommer sowie Gewitter und Hagel im Herbst haben dazu geführt, dass Italiens Weinernte 2017 gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel zurückgefallen ist. Laut dem Landwirtschaftsverband Coldiretti hat aber nicht nur der Wein gelitten. Die Produktion von Honig hat sich auf 10 Mill. Kilogramm nahezu halbiert. Und die Produktion von Olivenöl ist infolge der schwachen Ernteergebnisse um 11 % gesunken. Auch der Obstanbau blickt auf ein Katastrophenjahr zurück. So ergab die Apfelernte mit 1,76 Mill. Tonnen 23 % weniger als im Vorjahr. Insbesondere in der Region Trentino-Südtirol ging die Ernte um 30 bis 50 %, bei einzelnen Sorten gar um bis zu 80 % zurück.Italien bleibt aber trotz des Rückgangs mit 40 Mill. Hektolitern der größte Weinproduzent Europas. Der Rückgang in Italien um 11 Mill. und in Frankreich um 8,4 Mill. Hektoliter sei jeweils größer als der Gesamtertrag deutscher Winzer, heißt es in den Medien. *Kunstsammler freuen sich schon: Die EU-Kommission hat Italiens Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) aufgetragen, ihre Kunstwerke zu verkaufen. Der Erlös aus den Verkäufen soll in die Sanierung des Instituts fließen. Zum Vermögen der Bank zählen unter anderem rund 30 000 Kunstwerke, die in der Sammlung MPS enthalten sind und in der Bilanz mit einem Buchwert von 124 Mill. Euro aufscheinen. Die regionale italienische Kommission, die für das Kunstvermögen der Toskana zuständig ist, hat sofort reagiert: Der Verkauf der historischen Sammlung Collezione Chigi Saracini sei an bestimmte Klauseln gebunden und schwer umsetzbar. Vor allem dürfe die Sammlung nicht zerstückelt werden. Angeblich haben sich bereits internationale Kunstsammler, aber auch Finanzinvestoren für die Kunstwerke interessiert. Der Fokus der Sammlung liegt auf den Werken der “Schule aus Siena” aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Zu den bedeutendsten Malern, die in der Sammlung vertreten sind, zählen Sano di Pietro, Pietro Lorenzetti, Francesco Bartoli und Andrea di Bartolo. Italiens Regierungschef Paolo Gentiloni hat bislang keinen Einwand gegen den von der EU verordneten Verkauf erhoben. Doch andere Politiker und Kulturmagnaten haben bereits das Kriegsbeil ausgegraben. Sienas Bürgermeister Bruno Valentini etwa warnte ausdrücklich vor einer Zerstückelung der Sammlung. Und: Andere Krisenbanken befürchten, dass das Beispiel Schule machen könnte und auch sie ihre Kunstsammlungen im Rahmen der Bankensanierung verkaufen müssen.Der italienische Staat ist vor kurzem gemeinsam mit dem Rettungsfonds Atlante mit insgesamt 8 Mrd. Euro eingesprungen, um Monte dei Paschi vor dem Untergang zu retten. Die staatliche Beteiligung am Institut wird letztlich bis zu 70 % betragen. MPS – die älteste Bank der Welt – war durch Missmanagement, einen Derivateskandal und einen Berg an faulen Krediten in Schieflage geraten. Die Aktien wurden im vorigen Dezember vorübergehend von der Börse genommen, seit gut einer Woche notieren sie nun wieder mit bis zu 4,66 Euro pro Papier. Dieser Preis liegt immer noch unter jenen 6,49 Euro je Aktie, die der italienische Staat bei seinem Einstieg im Sommer auf den Tisch legte bzw. unter den 15 Euro, mit denen die Papiere am 22. Dezember notierten, als sie vom Börsenblatt gestrichen wurden. Für Versicherer Generali, der 4 % an MPS hält, sind die Verluste noch höher, da er seine MPS-Anleihen wegen EU-Regularien um 8,65 Euro eintauschen musste. Zu Wochenbeginn notierten die MPS-Aktien mit 3,91 Euro auf einem Allzeittief. Die EU hat der MPS eine Rosskur verschrieben. Rund 600 der 2 000 Zweigstellen sollen geschlossen, 4 000 Jobs abgebaut werden. Gewinn wird erst für 2021 erwartet. Die jüngst veröffentlichten Quartalsergebnisse haben erstmals wieder schwarze Zahlen gezeigt.In diesen Tagen steht MPS auch im Mittelpunkt der Diskussion der parlamentarischen Bankenkommission. Diese untersucht mögliche Nachlässigkeiten der Aufsichtsbehörden. Zur Diskussion steht auch der Preis von 9 Mrd. Euro, den MPS 2009 an Santander für die Übernahme der Banca Antonveneta zahlte.