Stimmung im Euroraum trübt sich weiter ein
Stimmung im Euroraum trübt sich weiter ein
ba Frankfurt – Der Aufschwung im Euroraum hat zwar im Juli den zweiten Monat in Folge etwas an Dynamik eingebüßt, der von IHS Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex Composite PMI, der Industrie- und Dienstleistungsunternehmen zusammenfasst, signalisiert aber weiter Wachstum. Laut Vorabschätzung sank der Composite von 56,3 auf 55,8 Punkte, während Ökonomen einen Wert von 56,2 Zählern auf der Rechnung hatten. Werte über 50 Punkte deuten Wachstum an.Auch wenn das Barometer im Juli auf das niedrigste Niveau seit sechs Monaten gefallen ist, notiere es dennoch auf einem der höchsten Werte seit sechs Jahren – insgesamt blieb “die Wachstumsrate beeindruckend hoch”, resümierte IHS Markit-Chefökonom Chris Williamson das Ergebnis der Umfrage unter 5 000 Unternehmen aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor. Die Daten signalisierten ein Wachstum auf Quartalsbasis von 0,6 % im dritten Quartal nach + 0,7 % im zweiten Vierteljahr. Im Moment könne zwar keiner sagen, ob es sich um eine Wachstumsdelle oder ein generelles Nachlassen des Aufschwungs handele, doch deuten gemäß Williamson “die bisherigen Anzeichen auf Ersteres hin”. Ökonomen erwarten ebenfalls ein weiter dynamisches Wirtschaftswachstum im Sommerhalbjahr, wenn auch die Schlagzahl vom Jahresanfang nicht auf Dauer gehalten werden dürfte, wie Stefan Kipar von der BayernLB sagte.”Die Party ist zunächst vorbei”, so Kipar, doch heiße dies nicht, dass der Aufschwung zu Ende sei. Er wertet den Stimmungsrückgang als “nahezu unausweichliche Normalisierung” nach Monaten der Hochstimmung, die der tatsächlichen Wirtschaftsentwicklung enteilt war. Beim EZB-Rat dürfte der geminderte Preisdruck zu Sorgenfalten führen – laut Commerzbank-Ökonom Christoph Weil ist nämlich zu bezweifeln, dass das Wirtschaftswachstum ausreiche, um die Inflation stärker anzufachen. Laut Unicredit-Volkswirt Edoardo Campanella bleibe die Erholung der Eurozone stark, sie habe zu Beginn des dritten Quartals nur etwas an Glanz verloren. Seiner Ansicht nach läuft die Wirtschaft weiter auf Hochtouren, wie auch der Blick auf die Details zeige. Die Zuwächse bei Auftragseingang, Auftragsbeständen und Beschäftigung waren zwar geringer als im Juni, waren aber laut IHS Markit “weiter solide”. Dank der guten Auftragslage und dem anhaltend positiven Ausblick fiel der Stellenaufbau “ein weiteres Mal so stark aus wie selten” in den vergangenen zehn Jahren. Der Stimmungsrückgang im Juli beruht auf dem Minus in der Industrie auf 56,8 von 57,4 Punkten. Hier war nach zehn Anstiegen in Folge im Juni der höchste Wert seit April 2011 erreicht worden. Der Dienstleisterindex stagnierte bei 55,4 Zählern.Während der Composite PMI sowohl für Deutschland als auch Frankreich den zweiten Monat in Folge gefallen ist, verzeichneten laut IHS Markit die übrigen von der Umfrage erfassten Länder die zweithöchste Wachstumsrate seit zehn Jahren. Der Composite PMI für Deutschland ist zwar um 1,3 auf 55,1 Punkte und damit den niedrigsten Wert seit einem halben Jahr gefallen, doch stehe “die deutsche Wirtschaft nach wie vor ausgesprochen gut da”, wie Markit-Ökonom Trevor Balchin sagte. Auch die Bundesbank sieht die hiesige Wirtschaft auf robustem Wachstumskurs. Im zweiten Quartal dürfte sie “mit viel Schwung gewachsen sein”, wie es im gestern veröffentlichten Monatsbericht heißt.