Stimmung in der Industrie sackt ab
Stimmung in der Industrie sackt ab
ba Frankfurt – Die Wachstumseinbußen des Industriesektors der Eurozone infolge der Corona-Pandemie sind im März noch stärker ausgefallen als zunächst gemeldet. Die vom britischen Analysehaus IHS Markit ermittelte Unternehmensstimmung ist auf den niedrigsten Stand seit siebeneinhalb Jahren gesunken. Den endgültigen Daten zufolge ist der Einkaufsmanagerindex (PMI) der Industrie von seinem im Februar erreichten Ein-Jahres-Hoch um 4,7 auf 44,5 Punkte gerutscht. Damit notiert er zum 14. Mal in Folge unter der 50-Zähler-Marke – erst Werte darüber signalisieren wirtschaftliche Expansion. Ökonomen hatten eine Bestätigung der Vorabschätzung von 44,8 Punkten erwartet.Ein weiterer Absturz des Stimmungsbarometers steht zudem zu erwarten, da der aktuelle Stand durch den Index Lieferzeiten unterzeichnet ist, wie Chris Williamson, Chefvolkswirt bei IHS Markit, kommentiert. Gewöhnlich signalisieren längere Lieferzeiten eine steigende Nachfrage. In diesem Fall verzögerten aber Betriebsschließungen und unterbrochene Lieferketten viele Lieferungen. Wie stark sich der Kollaps des Industriesektors auf die Wirtschaft auswirkt, lasse sich hingegen mit Blick auf Indizes für Produktion und Auftragseingang abschätzen: Diese deuteten einen Produktionsrückgang im zweistelligen Bereich und damit den stärksten seit 2009 an. “Es besteht die Sorge, dass uns der Höhepunkt des Wachstumseinbruchs in der Industrie erst noch bevorsteht”, mahnte Williamson.Unter den von der Umfrage erfassten Volkswirtschaften steckt laut IHS Markit Italien am tiefsten in der Krise. Italien ist – gefolgt von Spanien – immer noch das in Europa am heftigsten von der Coronakrise betroffene Land. Der PMI für Italiens Industrie ist von 48,7 auf 40,3 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit April 2009 eingebrochen. Ursächlich waren die scharfen Rückgänge insbesondere bei den Indizes für Produktion und Neubestellungen. In Spanien hat ebenfalls insbesondere das deutliche Minus bei Auftragseingang und Produktion zum Rückgang des PMI von 50,4 auf 45,7 Zähler geführt. Dies ist der niedrigste Stand seit knapp sieben Jahren. Griechenland fiel im März von der Spitze der PMI-Rangliste auf den vorletzten Platz zurück.Lediglich für die Niederlande deutet der PMI mit einem Stand von 50,5 Zählern noch ein Mini-Wachstum an. Der Einkaufsmanagerindex für Frankreichs Industrie ist den endgültigen Daten zufolge mit 43,2 Punkten nicht ganz so stark gesunken wie mit 42,9 Zählern zunächst gemeldet. Dafür wurde der vorläufige PMI für die deutsche Industrie etwas nach unten revidiert – statt von 48,0 im Februar auf 45,7 ging es auf 45,4 Punkte nach unten. Markit-Ökonom Phil Smith weist darauf hin, dass auch der PMI für die deutsche Industrie durch die rapide verlängerten Lieferzeiten kräftig gestützt wird. Zudem dürften sich die Zahlen erst noch weiter verschlechtern, bevor sie wieder steigen, da die meisten Vorsorgemaßnahmen und Werksschließungen während oder nach der Umfrage (12. bis 24. März) erlassen worden waren.