Stimmung in Eurozone auf Rekordtief

Einkaufsmanagerindex bricht stärker ein als zunächst gemeldet

Stimmung in Eurozone auf Rekordtief

ba Frankfurt – Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat die Unternehmensstimmung in der Eurozone noch kräftiger gedämpft als zunächst gemeldet. Der vom britischen Analysehaus IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) ist im März auf das Rekordtief von 29,7 Punkte gefallen – das liegt 1,7 Zähler unter der Erstschätzung und 21,9 Punkte unter dem Vormonatswert. Selbst zu Zeiten der globalen Finanzkrise war die Unternehmensstimmung nicht so stark eingebrochen.Besonders kräftig bergab ging es im März bei den Unterindikatoren des Dienstleistungssektors, der vom Lockdown stärker als die Industrie betroffen war. Aber auch in der Industrie gingen sämtliche Indexkomponenten zurück. Während die Stimmung unter den Dienstleistern um 26,2 auf das Allzeittief von 26,4 Punkten absackte, trübte sie sich im Industriesektor weniger stark ein – der Indikator fiel um 4,7 auf 44,5 Punkte, den tiefsten Stand seit etwa siebeneinhalb Jahren (vgl. BZ vom 2. April). Für IHS-Markit-Chefökonom Chris Williamson deuten die finalen Daten einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone von annähernd 10 % an – wobei “Schlimmeres in naher Zukunft unausweichlich” scheine. Dem Absturz habe sich kein Land entziehen können. IHS Markit verzeichnete unter den vier größten Euro-Volkswirtschaften jeweils Rekord-Wachstumsrückgänge. Der besonders drastische Absturz des italienischen Service-Index auf 17,4 Punkte gebe aber “einen Vorgeschmack auf das, was den anderen Ländern infolge der zunehmenden Geschäftsschließungen und Ausgangssperren und verschärfter Kontrollen noch bevorsteht”, mahnte Williamson.Derzeit stehe und falle jede Konjunkturprognose mit der Zahl der täglichen Neuinfektionen, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Telefonkonferenz. Er erwartet, dass das zweite Quartal “grottenschlecht wird” und zur Jahresmitte die Regierung den Lockdown schrittweise beenden wird. Für China sieht er bereits Licht am Ende des Tunnels. Das Land habe bereits das “Luxusproblem”, sich um Zweitrundeneffekte wie eine mangelnde Nachfrage kümmern zu müssen.