Unternehmensstimmung trübt sich unerwartet deutlich ein
Unternehmensstimmung trübt sich unerwartet deutlich ein
ba Frankfurt – Die Hochstimmung der deutschen Unternehmen hat im Februar einen unerwartet deutlichen Dämpfer bekommen. An der Fortsetzung des dynamischen Aufschwungs zweifelt allerdings niemand.Im Februar ist der Ifo-Geschäftsklimaindex um 2,2 auf 115,4 Punkte gesunken. Im Januar hatte der wichtigste Frühindikator hierzulande noch ein Allzeithoch markiert. Der Rückgang war erwartet worden – allerdings nur auf 117,0 Zähler -, nachdem die in den vergangenen Tagen veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes sowie die ZEW-Konjunkturerwartungen ebenfalls schwächer ausfielen. Ökonomen sehen darin aber keinen Grund zur Besorgnis, sondern eher eine längst fällig gewordene Rückkehr zur Normalität nach den immer euphorischer werdenden Höhenflügen auch der anderen Stimmungsindikatoren. Die Ökonomen erwarten, dass sich der Aufschwung fortsetzt, wobei die Dynamik allerdings nachlassen dürfte. Einig sind sie sich auch darin, dass der Rücksetzer vor allem auf folgende Effekte zurückzuführen ist: neue Sorgen vor protektionistischen Maßnahmen der USA, die Frage, inwieweit die US-Steuerreform die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen beeinträchtigt, die gestiegenen längerfristigen Finanzierungskosten und der jüngst ausverhandelte Koalitionsvertrag.”Die deutsche Wirtschaft tritt auf die Euphoriebremse”, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 7 000 Firmen. Sowohl die aktuelle Lage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate wurden weniger optimistisch beurteilt als im Monat zuvor, wobei sich dieses Bild durch alle Branchen durchzieht. Einzig die Lagekomponente der Baufirmen hat sich auf ein neues Rekordhoch verbessert, wie Fuest erklärt.Die Stimmung gedrückt haben vor allem die Geschäftserwartungen, die den dritten Monat in Folge gefallen sind. In 85 % der Fälle bedeutete dies, dass auch das Ifo-Geschäftsklima auf einen Abwärtstrend einschwenken wird, erinnert Andreas Scheuerle von der DekaBank. Der Rückgang des Ifo-Barometers könnte also durchaus der Auftakt zu einer Trendwende sein. Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer glaubt aber nicht daran, aus zwei Gründen: Erstens seien die Geschäftserwartungen schwankungsanfällig, und zweitens gebe es diesmal keine ökonomischen Gründe für ein merklich nachlassendes Wirtschaftswachstum.KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner macht den starken Euro und die ungewohnt volatilen Kapitalmärkte für die Verunsicherung der Manager verantwortlich. Sollte es in den nächsten Jahren mit einem hohen Wachstumstempo weitergehen, würden kapazitätserweiternde Unternehmensinvestitionen immer wichtiger. Unterstützung erwartet Zeuner sich von der künftigen Regierung. Allerdings rufe der Koalitionsvertrag “nicht gerade Jubelstürme hervor”, konstatiert Ifo-Experte Klaus Wohlrabe in einem Reuters-Interview. Für Unternehmen wichtige Themen wie eine Steuerreform kämen darin kaum vor. “Man ist etwas ernüchtert”, sagte Wohlrabe. Der Bundesverband der Deutschen Industrie kommt nach einer Detail-Analyse des Koalitionsvertrages ebenfalls zu einem negativen Gesamturteil. Die Vereinbarung lasse eine ganzheitliche Strategie und Herangehensweise in Kernbereichen wie der Steuerpolitik, der Digitalisierung sowie der Energie- und Klimapolitik vermissen, teilte der BDI gestern mit.Christian Lips von der Nord/LB hält es zudem für möglich, dass auch der hohe Tarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie die Stimmung belastet hat.