US-Bankenaufsicht ist fast komplett
US-Bankenaufsicht ist fast komplett
Von Stefan Paravicini, New YorkDie neue US-Regierung hat fünf Monate nach dem Beginn der Amtszeit von Präsident Donald Trump die wichtigsten Personalentscheidungen zur künftigen Besetzung der Bankenaufsicht weitgehend abgeschlossen. Mit James Clinger wurde am Montag ein Insider aus dem politischen Apparat in Washington als künftiger Chairman der Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC) nominiert, der zuletzt unter anderem für den Vorsitzenden des Ausschusses für die Finanzdienstleistungsbranche im Repräsentantenhaus, den republikanischen Abgeordneten Jeb Hensarling, tätig war.Mit der Wahl von Clinger, der den Vorsitz des Einlagensicherungsfonds erst im November übernimmt, wenn Martin Gruenberg als Chairman der FDIC ausscheidet, ist unter den entscheidenden Positionen an der Spitze der Aufsichtsbehörden, die der Finanzindustrie auf die Finger schauen, nur noch eine Personalie offen: Was geschieht mit der Chefin der Notenbank Janet Yellen, wenn ihre Amtszeit als Vorsitzende des Gouverneursrates der Fed im Februar ausläuft? Das Weiße Haus sucht laut US-Medienberichten bereits nach einem Nachfolger. Gary Cohn, der als oberster Wirtschaftsberater des Präsidenten mit der Suche beauftragt ist, wird selbst als möglicher Kandidat genannt. Auch eine Verlängerung Yellens um eine zweite Amtszeit, wie sie ihren drei Vorgängern Ben Bernanke, Alan Greenspan und Paul Volcker jeweils von einem Präsidenten gewährt wurde, der sie nicht ins Amt eingesetzt hatte, ist nicht ausgeschlossen. Sowohl Trump, der sich im Wahlkampf noch als scharfer Kritiker von Yellen und der Notenbank gezeigt hatte, als auch die Fed-Chefin selbst haben noch nicht eindeutig Stellung bezogen. Was passiert in der Fed?Sollte Yellen nicht als Vorsitzende der Fed verlängern, würde ihre Amtszeit als Gouverneurin noch bis 2024 weiterlaufen. Den größten Einfluss auf die Bankenregulierung in der Fed dürfte künftig allerdings Randal Quarles haben, der unter Präsident George W. Bush als hochrangiger Beamter im Finanzministerium gedient hatte und als designierter Nachfolger von Daniel Tarullo im Gouverneursrat der Notenbank gilt. Tarullo hatte zuletzt de facto die Regulierungsangelegenheiten unter seinen Fittichen. Sein Nachfolger soll offiziell die Rolle des Vice Chair für Bankenaufsicht übernehmen.Bereits seit Anfang Juni als künftiger Leiter des Office of the Comptroller (OCC) of the Currency nominiert ist Joseph Otting, ein Ex-Banker, der mit Finanzminister Steven Mnuchin aus der gemeinsamen Zeit bei dem Hypothekenfinanzierer Onewest (vgl. BZ vom 9. Juni) bekannt ist. Das OCC hat ebenso wie der Einlagensicherungsfonds FDIC die kleineren Institute im Auge, die nicht unter die Aufsicht der Fed fallen.Investoren, die besorgt waren, dass Trump Populisten an die Spitze der Bankenaufsichtsbehörden setzen würde, können nach Einschätzung von Analysten beruhigt sein. “Die Nominierung von Herrn Clinger ist ein weiteres Zeichen dafür, dass die Ansichten der Regierung zur Bankenregulierung weitgehend dem Mainstream entsprechen”, schreibt die Investmentboutique Keefe, Bruyette & Woods ihren Kunden in Reaktion auf die Personalie.