Wahlaufrufe für den Newcomer
Wahlaufrufe für den Newcomer
Der Proeuropäer Emmanuel Macron geht nach der ersten Runde der französischen Präsidentenwahl dank der Unterstützung der meisten Verlierer als Favorit ins Duell mit der Rechtsextremen Marine Le Pen.wü Paris – Er wurde vor allem im Ausland gefeiert, als habe er die französischen Präsidentschaftswahlen bereits gewonnen. Dabei ist es Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron bisher lediglich gelungen, in die Stichwahl am 7. Mai zu kommen. Der parteilose Politiker, der seine Bewegung En Marche vor gerade mal einem Jahr gegründet hat, wird seine Gegenspielerin, Front-National-Chefin Marine Le Pen, nach Angaben seines Umfelds am 3. Mai zu einer Fernsehdebatte treffen.Zahlreiche Politiker und Organisationen sagten Macron am Montag ihre Unterstützung zu – von Nochpräsident François Hollande bis hin zu Gewerkschaften wie der gemäßigten CFTC und dem Arbeitgeberverband Medef. Der 39-jährige Politiker kann sich auch des Wohlwollens der europäischen Partner Frankreichs sicher sein. Sie reagierten genau wie die Finanzmärkte erleichtert auf den Ausgang der ersten Runde, da das von vielen befürchtete Katastrophenszenario einer Stichwahl zwischen Marine Le Pen und Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon verhindert wurde.Die Besorgnis einer äußerst geringen Wahlbeteiligung erwies sich ebenfalls als unbegründet, da sie mit 77,7 % nur minimal unter der von 2012 lag. Der CAC 40 legte deshalb um 4 % zu, französische Bankenaktien sogar um mehr als 7,5 %.Nach ersten Hochrechnungen der Umfrageinstitute Ipsos-Sopra Steria und Harris Interactive kann Macron in der zweiten Wahlrunde am 7. Mai auf 62 % bis 64 % der Stimmen hoffen, Le Pen auf 36 % bis 38 %.In der ersten Runde kam Macron laut den vom französischen Innenministerium veröffentlichten Endergebnissen auf 24 % und Le Pen auf 21,3 %. Macron wurde vor allem im Westen und in den Großstädten gewählt, Le Pen dagegen vor allem im Süden und Nordosten sowie eher ländlich geprägten Gebieten. Mit den beiden stehen sich in der zweiten Runde erstmals zwei Kandidaten gegenüber, die nicht einer der beiden etablierten Parteien angehören, die in den vergangenen Jahrzehnten die politische Landschaft dominiert hatten.Die beiden Teilnehmer der Stichwahl verbuchten jedoch einen im Vergleich zu früheren Wahlen relativ geringen Vorsprung gegenüber den zwei anderen Favoriten, da François Fillon von den konservativen Republikanern auf 20 % kam und Linkspopulist Mélenchon auf 19,6 %. Sowohl Fillon als auch der mit 6,4 % weit abgeschlagene Kandidat der sozialistischen Partei Benoît Hamon riefen zur Wahl Macrons auf. Mélenchon dagegen will zuerst seine Anhänger befragen, bevor er eine Wahlempfehlung abgibt. Laut ersten Umfragen wollen 62 % der Mélenchon-Wähler für den Kandidaten von En Marche stimmen und 9 % für Le Pen. Obwohl das Programm der Front-National-Chefin in vielen Punkten eher dem des Linkspopulisten ähnelt, dürfte sie mehr Stimmen von Fillon-Wählern bekommen. So gaben 33 % von ihnen an, in der Stichwahl für Le Pen stimmen zu wollen, und 48 % für Macron.Der durch Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit der Scheinbeschäftigungsaffäre um seine Frau stark unter Druck geratene Fillon erklärte am Montag, nicht bei den Parlamentswahlen im Juni antreten zu wollen. Er habe nicht die Legitimität dazu und wolle sein Leben nun anders gestalten, teilte er dem Politikbüro seiner Partei mit. Diese hielt Montagabend eine Krisensitzung ab, da ihr Kandidat zum ersten Mal seit 1958 nicht in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen kam.Nicht nur Frankreich ist nach der ersten Wahlrunde gespalten, sondern auch die Republikaner. Der liberale Flügel der Republikaner will offen zur Wahl Macrons aufrufen, andere Parteigrößen wie Laurent Wauquiez dagegen wollen lediglich appellieren, nicht für Le Pen zu stimmen. Sie fürchten, dass sich die Unterstützung für Macron für die Partei bei den Parlamentswahlen negativ auswirken könnte. Beobachter glauben, dass die Spannungen zwischen den Anhängern von Nicolas Sarkozy und von Alain Juppé jetzt wieder offen ausbrechen.