Wie es gerade passt
Wie es gerade passt
Man macht es sich leicht, wenn man im Diskurs immer nur jene Argumente herauspickt, die gerade passen. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist hierin ein Meister. In einem “Spiegel”-Interview hat sich EZB-Chefvolkswirt Peter Praet jetzt daran versucht, die Schuld an der europäischen Schuldenkrise ein Stück weit auch Deutschland in die Schuhe zu schieben. Die Gläubiger hätten ebenfalls eine Verantwortung, sagte er. Sie hätten vorsichtiger sein müssen, wem sie ihr Geld geben, heißt das. In diesem Sinne sollte Praet eigentlich froh sein über die Kritik und Vorsicht der Deutschen, wenn es um die EZB-Anleihekäufe und neue Athener Kredite geht. Schließlich fungiert Berlin als Stabilitätsanker, ohne den weder die EZB noch die Euro-Rettungsfonds auftrumpfen könnten. Im Krisenfall wären es vor allem die Deutschen, die zahlen müssten. Doch hier geht es natürlich nur um Geldpolitik, wie die EZB immer wieder betont. Und die steht im Dienst einer guten Sache: die Stabilisierung der Eurozone. Jetzt ist eine andere “Verantwortung” gefragt – jene, stillzuhalten und mitzuhaften. lz