Wirtschaftsfaktor Berlinale
Wirtschaftsfaktor Berlinale
Die am Donnerstag gestartete Berlinale gehört neben Cannes, Locarno und Venedig zu den größten Filmfestivals in Europa. Bis zum nächsten Sonntag werden im Rahmen der 70. Auflage insgesamt 340 Filme gezeigt, von denen 18 im Wettbewerb um den Goldenen und die Silbernen Bären kämpfen. Zu den Gewinnern des Festivals zählt schon jetzt wie jedes Jahr seit dem Start 1951 die Wirtschaft Berlins. Denn das Festival dürfte nicht nur rund 100 000 Filmfans anziehen, sondern noch einmal rund 20 000 Fachbesucher und Vertreter der internationalen Presse. Schließlich hat sich die Berlinale in den vergangenen Jahren auch als eine der größten Messen für den Filmhandel überhaupt etabliert. Im vergangenen Jahr hatten sich rund 10 000 Produzenten, Einkäufer, Sales Agents, Vertreiber und Finanziers aus 110 Ländern angemeldet. Vor allem die internationalen Reisenden aus dem Filmgeschäft sorgen während des Festivals für kräftig Umsatz in der Stadt. Eine Studie der Investitionsbank Berlin (IBB) zur Berlinale im vergangenen Jahr hat ergeben, dass die Fachbesucher zwischen 230 bis 320 Euro pro Tag für Übernachtung, Verpflegung, Transport, Einkäufe und Kultur ausgeben. Das ist deutlich mehr als das Tagesbudget eines durchschnittlichen Berlin-Touristen, der laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg lediglich 2,4 Tage in der Stadt bleibt, während der professionelle Festivalbesucher bis zu neun Tage verweilt. Alles in allem kommt die IBB wegen des Internationalen Filmfestivals für Berlin auf eine zusätzliche Wirtschaftsleistung von 130 Mill. Euro. Nicht eingerechnet sind dabei die Impulse für den Tourismus und den Wirtschaftsstandort, die durch die internationale Berichterstattung über die Berlinale entstehen. Im vergangenen Jahr waren allein mehr als 850 Printmedien für das Filmfestival akkreditiert, die rund 170 Millionen potenzielle Leser erreichten. *Die Berlinale ist ein Wirtschaftsfaktor, die Wirtschaft ist aber auch ein Faktor in vielen Filmen auf der Berlinale. Da ist etwa der Dokumentarfilm “Automotive”, der eine Fließbandarbeiterin und eine Headhunterin von Audi begleitet. Ebenfalls Teil der Berlinale ist der Dokumentarfilm “Oeconomia”, der einem Thema nachgeht, das der Philosoph Maurizio Lazzarato 2011 in seinem Essay “Die Fabrik des verschuldeten Menschen” beschrieben hat. “Die Schulden stellen kein Hemmnis für das Wachstum dar; im Gegenteil, sie sind der ökonomische und subjektive Motor zeitgenössischer Ökonomie. Die Fabrikation der Schulden, also die Konstruktion und Entwicklung des Machtverhältnisses Gläubiger-Schuldner, bildet das strategische Zentrum neoliberaler Politik”, schreibt Lazzarato. Das könnte auch ein Satz aus dem Buch des ehemaligen griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis über die Verhandlungen mit der “Troika” sein. Der Film zum Buch, den Costa-Gavras unter dem Titel “Erwachsene im Raum” in Szene gesetzt hat, wird in Berlin dieser Tage zwar nicht im Wettbewerb der Berlinale, aber in Anwesenheit des Regisseurs gezeigt.