Wirtschaftsstimmung im Euroraum erholt sich
Wirtschaftsstimmung im Euroraum erholt sich
ba Frankfurt – Die vorsichtigen Lockerungsschritte in den Ländern des Euroraums haben die Stimmung der Unternehmen und privaten Haushalte leicht belebt. So ist der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) zum Vormonat um 2,6 auf 67,5 Punkte gestiegen. Ökonomen hatten einen Wert von 70,6 Zählern prognostiziert, nachdem der Indikator im April mit revidiert 64,9 (zuvor: 67,0) Punkten den niedrigsten je gemessenen Stand erreicht hatte. Das bisherige Rekordtief (65,5 Punkte) stammt aus dem Frühjahr 2009, der Zeit der globalen Finanzkrise.Die aktuelle Stimmungsaufhellung basiert auf der Erholung bei Industrie und Verbrauchern – hier wurde etwa ein Fünftel des Einbruchs von März und April wieder wettgemacht. Bei den besonders vom Lockdown betroffenen Dienstleistern trübte sich die Stimmung weiter ein, wenn auch weniger als zuvor.Unter den fünf größten Volkswirtschaften im Euro-Währungsraum vermeldet die EU-Kommission vor allem für die Niederlande (+ 3,5 Punkte) und Deutschland (+ 3,2) eine Stimmungsaufhellung, aber auch der ESI für Spanien hat zugelegt (+ 1,6). Für Frankreich dagegen zeigt der Indikator mit – 0,3 Punkten eine weitgehende Seitwärtsbewegung an. Die Aprilwerte wurden wegen einer methodischen Änderung der Behandlung der geringeren Antworten deutlich nach unten revidiert. Die Entwicklung in Italien für Mai weist die EU-Kommission nicht aus, da in Italien im April wegen des strikten Lockdowns keine Daten ermittelt worden waren. Um den Indikator für den gemeinsamen Währungsraum als Ganzes zu berechnen, hat die Brüsseler Behörde eine Entwicklung im gleichen Maß wie im Euroraum ohne Italien unterstellt.Auch der Indikator für die erwartete Beschäftigung im Euroraum (Employment Expectations Indicator, EEI) hat sich von seinem im April markierten Rekordtief gelöst. Der Anstieg um 11,3 auf 70,2 Punkte spiegele eine deutliche Verbesserung der Beschäftigungspläne in allen betrachteten Wirtschaftsbereichen wider. Damit sei etwa ein Viertel oder ein Fünftel der im März und April beobachteten Rückgänge wieder ausgeglichen, berichtet die EU-Kommission. Die in dem Indikator nicht enthaltenen Jobängste der Verbraucher sind im Mai nicht weiter gestiegen. Dennoch deutet der Indikator weiter eine zunehmende Arbeitslosigkeit im Euroraum an – womit eine baldige Wirtschaftserholung nicht zu erwarten ist.Experten rücken zunehmend von der zu Beginn der Coronakrise geäußerten Hoffnung einer baldigen Wirtschaftserholung in Form eines V ab und passen derzeit ihre Prognosen an die jüngsten Konjunkturdaten an. Es wird erwartet, dass der Internationale Währungsfonds seine Voraussagen Anfang Juni nach unten revidiert. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach der Ratssitzung in der kommenden Woche neue Projektionen vorlegen. Bislang hatten die Währungshüter einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in einer Bandbreite von 5 bis 12 % auf dem Zettel. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte während einer Online-Diskussionsrunde am Mittwoch das “milde Szenario” der EZB mit einem BIP-Minus von 5 % als überholt bezeichnet. “Sehr wahrscheinlich” sei ein Wirtschaftseinbruch von 8 bis 12 %, sagte sie.