ZEW-Index klettert auf 14-Jahres-Hoch

Lageindikator legt erstmals in diesem Jahr zu

ZEW-Index klettert auf 14-Jahres-Hoch

ba Frankfurt – Finanzmarktexperten blicken zunehmend optimistisch auf die weitere konjunkturelle Entwicklung in Deutschland und auch in der gesamten Eurozone. Zwar steht hierzulande die schwerste Rezession der Nachkriegszeit bevor, doch reihen sich die aktuellen ZEW-Konjunkturerwartungen ein in die Riege der Echtzeitindikatoren, die zeigen, dass es mit der Wirtschaft allmählich aufwärtsgeht. Das vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erhobene Barometer der Konjunkturerwartungen kletterte im Juni um 12,4 auf 63,4 Punkte und damit den höchsten Stand seit März 2006. Die aktuelle Lage wurde erstmals in diesem Jahr besser als im Vormonat eingeschätzt. Trotzdem liegt der entsprechende Indikator mit einem Plus von 10,4 auf – 83,1 Zähler immer noch auf einem sehr niedrigem Niveau.”Die Zuversicht nimmt zu, so dass die konjunkturelle Talsohle im Sommer 2020 durchschritten sein wird”, kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach das Ergebnis der monatlichen Umfrage unter 191 Analysten und institutionellen Anlegern. Die Ertragserwartungen der einzelnen Branchen fielen allerdings weiter sehr unterschiedlich aus: “Für exportorientierte Sektoren wie Fahrzeug- und Maschinenbau sowie die Finanzbranche sind die Ertragserwartungen deutlich negativ”, sagte Wambach. Der Ausblick für IT-Technologien, Telekommunikation sowie konsumnahe Dienstleistungen sei hingegen recht positiv. Nach wie vor rechneten die Experten im dritten und vierten Quartal nur mit einer “relativ langsamen Zunahme der wirtschaftlichen Wertschöpfung”. IWH ist recht optimistischOptimistischer als derzeit viele Ökonomen und Institutionen positioniert sich das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH): In seiner neuen Konjunkturprognose erwartet es einen Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) für das laufende Jahr um 5,1 %, gefolgt von einem Plus von 3,2 % im Jahr 2021. Die Bundesregierung erwartet für 2020 ein BIP-Minus von 6,3 %, die Bundesbank hat – 7,1 % auf dem Zettel, und die Prognose der EU-Kommission liegt bei – 6,5 %. Zum Vergleich: In der globalen Finanzkrise war das BIP 2009 um 5,7 % geschrumpft, in den beiden Folgejahren ging es um 4,2 und 3,9 % aufwärts. Kommende Woche wollen die sogenannten Wirtschaftsweisen und der IWF ihre aktualisierten Prognosen veröffentlichen. Konjunkturprognosen stehen derzeit immer unter dem Vorbehalt, dass es zu keiner zweiten Infektionswelle kommt.Beim IWH heißt es: “Die deutsche Wirtschaft wurde von der Pandemie schwer getroffen. Allerdings ist der Einbruch nicht so tief wie in den großen Nachbarländern im Euroraum, wo die Zahl der Erkrankungen und Sterbefälle relativ zur Bevölkerung höher liegt.” Insbesondere Italien, aber auch Spanien und Frankreich leiden stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Allerdings erwarten Experten, dass auch in diesen Ländern und damit im Euroraum insgesamt der Tiefpunkt erreicht ist. So sind die ZEW-Konjunkturerwartungen für Euroland im Juni um 12,6 auf 58,6 Punkte gestiegen. Die Lagekomponente ist um 5,4 auf – 89,6 Zähler geklettert.