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Amazon-Chef sucht Manager für Mammutthema

Von Stefan Paravicini, New York Börsen-Zeitung, 1.2.2018 Die Bewerbungstelefone sind freigeschaltet. Mit der Absichtserklärung von Amazon, Berkshire Hathaway und J.P. Morgan, die Gesundheitskosten für ihre mehr als 1 Million Mitarbeiter in den USA...

Amazon-Chef sucht Manager für Mammutthema

Von Stefan Paravicini, New YorkDie Bewerbungstelefone sind freigeschaltet. Mit der Absichtserklärung von Amazon, Berkshire Hathaway und J.P. Morgan, die Gesundheitskosten für ihre mehr als 1 Million Mitarbeiter in den USA zu senken und dafür ein neues Unternehmen zu gründen, ist auch die Suche nach einem CEO für das Venture eröffnet. Im Anforderungsprofil an potenzielle Kandidaten stehen drei Milliardäre und eine Mammutaufgabe.Derzeit haben die milliardenschweren Initiatoren – Amazon-Chef Jeff Bezos, die Investorenlegende Warren Buffett hinter dem Versicherungskonzern Berkshire, und Jamie Dimon als CEO von J.P. Morgan – die Spitzenkräfte Beth Galetti, Todd Combs und Marvelle Sullivan Berchtold aus den Führungszirkeln ihrer Unternehmen mit dem Thema betraut. Ihre wichtigste Aufgabe dürfte es sein, rasch einen CEO für das geplante Projekt zu finden, das bisher weder einen Namen noch eine offizielle Adresse oder Mitarbeiter hat, dessen Ansprüche sich aber bereits an den Dimensionen orientieren, in denen seine Urheber denken.”Unsere drei Unternehmen verfügen über außergewöhnliche Ressourcen und unser Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, von denen unsere Mitarbeiter in den USA profitieren, ihre Familien und nach Möglichkeit alle Amerikaner”, ließ sich Dimon in der am Dienstag veröffentlichten Pressemeldung zitieren. Der Fokus liege auf Technologie, die “vereinfachte, hochwertige und transparente Gesundheitsversorgung zu geringeren Kosten” ermöglichen soll. Das klingt vernünftig, ist angesichts der seit Jahrzehnten aus dem Ruder laufenden Kosten im US-Gesundheitssystem aber eine Mammutaufgabe. Geht man nach den Reaktionen an der Börse, wollen die drei US-Konzerne den Hebel bei Arzneimittel-Einkaufsorganisationen wie Express Scripts ansetzen, die heute im Auftrag von Krankenversicherern und Arbeitgebern wie Amazon mit den Medikamentenherstellern über Preisnachlässe verhandeln. Kritiker bemängeln unter anderem die Intransparenz dieser Verhandlungen, deren Ergebnisse auch den Aktionären von Scripts zugutekommen.Amazon, Berkshire und J.P. Morgan könnten die Rolle des Mittelsmannes künftig selber übernehmen und im Erfolgsfall bald auch für andere Arbeitgeber verhandeln, vermuten Marktbeobachter, weshalb die Aktie von Express Scripts mehr als ein Zehntel verlor. Auf eine ähnliche Idee waren allerdings erst vor zwei Jahren mehr als 40 US-Unternehmen unter der Führung von IBM und American Express gekommen, die sich zur Health Transformation Alliance zusammenschlossen und am Ende doch wieder mit dem Mittelsmann CVS statt direkt mit den Herstellern verhandelten. “Für den Erfolg benötigen wir talentierte Experten, den Kopf eines Anfängers und eine langfristige Orientierung”, umreißt Bezos in der Mitteilung das Anforderungsprofil.Als potenzieller Kandidat wird in US-Medien unter anderem Toby Rosgrove herumgereicht, der im vergangenen Jahr nach mehr als zehn Jahren die Leitung der Cleveland Clinic abgegeben hat und als Leiter des Kriegsveteranenministeriums in der Regierung von Donald Trump im Gespräch war, das mit ähnlichen Herausforderungen wie das gesamte Gesundheitssystem zu kämpfen hat. Erfahrung mit ObamacareSylvia Mathews Burwell, die im Kabinett des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama Health and Human Services verantwortete und mit der Reform des Gesundheitssystems betraut war, wird ebenfalls genannt. Peter Orszag, Vice Chairman Investment Banking von Lazard, der auch in der Regierung Obama mitwirkte, wäre nach Einschätzung von Beobachtern ebenso geeignet wie Jeffrey Zients von der Beteiligungsgesellschaft Cranemere, der 2013 nach dem verpatzten Start der Internetseite Healthcare.gov von Obama als Krisenmanager gerufen wurde.