Amber Capital putscht bei Lagardère
Amber Capital putscht bei Lagardère
wü Paris – Coronavirus-Krise und Ausgangssperre müssen nicht bedeuten, dass alles in einen Dornröschenschlaf versinkt. Im Gegenteil, denn der britische Aktivistenfonds Amber Capital will diese Phase nutzen, um bei der Lagardère-Gruppe einen Putsch durchzuführen und Konzernchef Arnaud Lagardère weiter zu entmachten. Der größte Aktionär der Gruppe, die einst einer der Gründungsgroßaktionäre des inzwischen in Airbus umbenannten Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS war, will fast den gesamten Aufsichtsrat von Lagardère auswechseln lassen. Er hat einen entsprechenden Antrag für die für den 5. Mai geplante Hauptversammlung eingereicht.Amber hält inzwischen 16 % des Kapitals und 12 % der Stimmrechte von Lagardère, während der 59-jährige Firmenerbe auf 7,3 % des Kapitals und 10 % der Stimmrechte kommt. Zweitgrößter Aktionär ist der Staatsfonds von Katar. Der aktivistische Fonds war vor vier Jahren bei Lagardère eingestiegen. Er dringt seitdem darauf, dass sich das 1992 von Jean-Luc Lagardère gegründete Unternehmen auf die beiden Aktivitäten Travel Retail und Verlagswesen konzentriert. Arnaud Lagardère, der 2013 die Beteiligung an Airbus verkaufte, hat auch deshalb die Medienpräsenz stark reduziert. Der Gruppe gehört noch der Radiosender Europe 1 und die Zeitschrift “Paris Match”. Der streitbare Fonds hat nun beantragt, acht von zehn Aufsichtsratsmitglieder auszutauschen. Er will jedoch für die Ernennung der von Arnaud Lagardère vorgeschlagenen neuen Aufsichtsräte stimmen: Ex-Präsident Nicolas Sarkozy und der frühere SNCF-Chef Guillaume Pépy. Daneben will Amber den früheren Eurazeo-Chef Patrick Sayer, Brigitte Taittinger-Jouyet, früher Chefin des Parfümherstellers Annick Goutal, sowie den ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta für den Aufsichtsrat nominieren. Sayer soll den Vorsitz übernehmen. Amber will angesichts des Coronavirus die Dividende komplett streichen, der angeblich mit 130 bis 140 Mill. Euro verschuldete Lagardère nicht.