Chefstratege der Reimanns nimmt bei Coty das Steuer in die Hand
Chefstratege der Reimanns nimmt bei Coty das Steuer in die Hand
cru – Der angeschlagene US-Kosmetikkonzern Coty bekommt überraschend einen neuen Chef. Zusätzlich zu seinem Posten als Chairman (Aufsichtsratschef) übernimmt Peter Harf, einer der Vermögensverwalter der deutschen Milliardärsfamilie Reimann, die Leitung des Unternehmens, wie Coty bekannt gab. Eigentlich war vorgesehen, dass Pierre Denis, Chef des Schuhherstellers Jimmy Choo, Pierre Laubies ablösen sollte. Denis sei aus dem Vorstand ausgeschieden und werde keine Führungsposition übernehmen, hieß es.Der 74 Jahre alte Harf will das Unternehmen nun so lange operativ als CEO führen, bis es wieder rundläuft. Damit greift bei Coty der Mehrheitseigentümer JAB durch. Die steuergünstig in Luxemburg ansässige Holding der Reimanns entsendet mit Harf den JAB-Chefstrategen, um Coty aus der Krise zu führen. Der als freundlich, im Bedarfsfall aber auch als hart geltende Rheinländer hat in Köln studiert und pflegt ein enges, auch privates Verhältnis zu den Reimanns, der zweitreichsten Familie Deutschlands. Harfs Berufung solle dazu führen, Bürokratie abzubauen und die Geschwindigkeit zu erhöhen, teilt Coty mit. Zugleich ist der Einstieg von KKR bei dem Konzern für umgerechnet rund 4,3 Mrd. Dollar besiegelt, erklärte Coty weiter. Die Coty-Aktie notierte daraufhin zeitweise 20 % fester, nachdem sie 2019 um 60 % abgestürzt war.Harf ist der vierte Coty-Chef in vier Jahren. Es wird nach seinen Angaben mindestens zwei Jahre dauern, bis Coty wieder da sein werde, wo sie einmal gewesen sei. Der Kosmetikkonzern kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten und will sich deshalb neu aufstellen. Im dritten Quartal 2019/20 (Ende März) büßte Coty durch die Lockdowns 23 % des Umsatzes ein und schrieb 272 Mill. Dollar Verlust.Erst vor kurzem hat Coty die deutsche Haarpflegemarke Wella an den US-Finanzinvestor KKR verkauft, der Coty damit aus einem finanziellen Engpass rettete. Zur Beteiligungsgesellschaft JAB der Reimanns gehören neben Coty und dem gerade an der Börse gestarteten Kaffeekonzern JDE Peet’s auch ein Anteil an der britischen Reckitt Benckiser.