Die Lufthansa ist reif für einen weiblichen CEO
Die Lufthansa ist reif für einen weiblichen CEO
Die Lufthansa ist reif für einen weiblichen CEO
Von Lisa Schmelzer, Frankfurt
Jahrelang hatte es bei der Lufthansa geheißen, es sei schwierig, passende Frauen für Führungspositionen zu finden. Zu ingenieurlastig seien die Aufgaben im Konzern und zu klein die Zahl der Ingenieurinnen. Die Zeiten haben sich geändert. Zum einen haben mittlerweile auch Nichtingenieure eine Chance, bei der Fluggesellschaft aufzusteigen. Zum anderen haben über die Jahre Frauen immer wieder hochrangige Posten im Konzern und in den Tochtergesellschaften eingenommen.
Spohr hat verlängert
Unter diesen Vorzeichen ist es nicht mehr ausgeschlossen, dass der nächste CEO des Airline-Konzerns eine Frau sein könnte. Aussichtsreiche Kandidatinnen gibt es und es sind zahlenmäßig eher mehr als bei den männlichen Kandidaten. Dies hat aber auch damit zu tun, dass mancher Mann, der in den vergangenen Jahren als möglicher Nachfolgekandidat für Konzernchef Carsten Spohr genannt wurde, mittlerweile das Weite gesucht hat. Spohr (56) hat kürzlich seinen Vertrag um fünf Jahre verlängert. Er wird dann die Altersgrenze von 60 Jahren überschritten haben, die lange Zeit für die Führungsetage der Airline galt. Der Lufthansa-Chef selbst hatte kürzlich gesagt, eine solche Altersgrenze sei nicht mehr zeitgemäß – „und das sage ich nicht nur, weil das jetzt gerade für meine Situation passt“.
Da Spohr immer wieder betont hat, dass es sich bei seinem Posten um seinen absoluten Traumjob handelt, war ehrgeizigen Managern in der gleichen Altersgruppe schnell klar, dass das womöglich nichts wird mit dem Job an der Lufthansa-Spitze. So geschehen beim ehemaligen Chef der Austrian Airlines, Alexis von Hoensbroech (52), der mittlerweile die kanadische Fluggesellschaft Westjet führt. Auch Lufthansa-Technik-CEO Johannes Bußmann (53) – von der Technik kamen die Lufthansa-CEOs Jürgen Weber und Wolfgang Mayrhuber – hat umgesattelt und ist inzwischen Vorstandsvorsitzender des TÜV Süd.
Konzernvorstände wie Harry Hohmeister oder Detlef Kayser sind älter als Spohr und fallen allein deshalb vermutlich als CEO-Anwärter aus. CFO Remco Steenbergen ist zwar umtriebig, aber könnte mit seiner bisher kurzen Verweildauer zu wenig Stallgeruch haben. Personalvorstand Michael Niggemann (49) hat nun erst einmal die Tarifauseinandersetzung mit den Piloten vor der Brust, deren Ausgang darüber entscheiden dürfte, ob er zu der Kandidatenriege gezählt werden kann.
Bleiben die erfolgreichen Frauen des Konzerns. Zuvörderst Dorothea von Boxberg, die seit 2021 Lufthansa Cargo geführt hat und nun zur Brussels Airlines geschickt wurde. Könnte sein, dass sie sich nun dort bewähren soll, denn die Tochtergesellschaft ist nicht gerade eine Ertragsperle im Konzern. Vor allem aber soll die 49-Jährige Pflöcke einschlagen als „Bevollmächtigte des Vorstands bei der Europäischen Kommission“, denn in Brüssel stehen gerade in Sachen Umweltschutz Entscheidungen an, die den Lufthansa-Oberen schwer im Magen liegen.
Erste Erfolge zum Thema schwierige Töchter kann dagegen bereits Annette Mann (45) vorweisen, die seit gut einem Jahr an der Spitze der Austrian Airlines steht. Den Österreichern ist es anders als den deutschen Lufthansa-Airlines gelungen, im vergangenen Geschäftsjahr einen, wenn auch kleinen, operativen Gewinn einzufliegen.
Erfolgreiche Kandidatinnen
Als Dritte im Bunde der Kandidatinnen gilt Christina Foerster (52), die anders als die Konkurrentinnen bereits im Konzernvorstand sitzt. Ein Teil der ihr dort zugewiesenen Aufgaben – „Markenführung“ – ist indes wenig dazu angetan, sich eine starke Position beim Rennen an die Spitze zu verschaffen. Allerdings ist sie auch für Nachhaltigkeit verantwortlich, ein Thema, das kurz- und mittelfristig noch deutlich mehr Raum einnehmen dürfte. Foerster könnte zudem helfen, dass der Vertrag von Harry Hohmeister nur noch bis Sommer 2024 läuft – seine Position als Zuständiger für die kommerzielle Steuerung der Premium Network Airlines und die Steuerung der Drehkreuze dieser Fluggesellschaften könnte also frei werden und Foerster bei einem Wechsel auf diesen Posten die Möglichkeit verschaffen, sich in eine noch bessere Ausgangsposition zu bringen.
