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Dietmar Hopp findet Biotech-Investor in Berlin

Von Stefan Paravicini, Berlin Börsen-Zeitung, 16.6.2020 Seit 15 Jahren investiert Dietmar Hopp, SAP-Mitgründer, umstrittener Fußball-Mäzen und Milliardär, mit seiner Gesellschaft Dievini Hopp Biotech GmbH in Biotechnologiefirmen. Das öffentliche...

Dietmar Hopp findet Biotech-Investor in Berlin

Von Stefan Paravicini, BerlinSeit 15 Jahren investiert Dietmar Hopp, SAP-Mitgründer, umstrittener Fußball-Mäzen und Milliardär, mit seiner Gesellschaft Dievini Hopp Biotech GmbH in Biotechnologiefirmen. Das öffentliche Interesse an diesen Beteiligungen schwankte über die Jahre und erreichte immer dann ein Zwischenhoch, wenn eine dieser Beteiligungen scheiterte. Sechs von 16 Unternehmen, in die Dievini investiert hat, haben es nicht geschafft. Die Aufmerksamkeit, die dem Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac, an dem Dievini rund vier Fünftel der Anteile hält, in den vergangenen Wochen zuteil geworden ist, hat aber einen anderen Hintergrund. Denn das Unternehmen gilt als Hoffnungswert im Kampf um einen Impfstoff gegen das Covid-19-Virus und hat deshalb wohl auch das Interesse der US-Regierung auf sich gezogen. Gestern kündigte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an, dass der Bund über die staatliche Förderbank KfW für 300 Mill. Euro bei Curevac einsteigt und sich dafür rund 23 % sichert. “Das ist gut für das Unternehmen und seine Erfolgsaussichten, aber auch für den Standort Deutschland und seine Bürgerinnen und Bürger insgesamt”, sagte Altmaier in Berlin.”Ich freue mich sehr, dass der Bund sich mit einem signifikanten Investment bei Curevac beteiligt”, antwortete Hopp, der das Unternehmen noch vor einigen Monaten als den vielversprechendsten Börsenkandidaten im Portfolio von Dievini bezeichnet hatte, via Video-Schalte. Die Partnerschaft mit dem Bund könne viel dazu beitragen, um den Aufbruch einer “ethisch herausragenden” Zukunftsbranche in Deutschland zu beschleunigen und einen Beitrag zur Lifescience-Industrialisierung in Europa zu leisten. “Wir haben die gleichen Interessen, nämlich den Erhalt und den Ausbau von hochinnovativen Forschungs- und Entwicklungs-Aktivitäten sowie von Produktionsaktivitäten deutscher Biotech-Unternehmen in einem internationalen Umfeld”, sagte der 80-Jährige in Richtung Altmaier.Danach musste sich der neue Biotech-Investor Bund aber kaum verblümte Kritik von Hopp anhören. “Deutsche Forschungs- und Entwicklungsansätze können weltweit mithalten, obwohl die Finanzierung dieser Branche in Deutschland bislang stiefmütterlich behandelt wurde, wobei die Ursache nicht zuletzt in der Steuergesetzgebung liegt”, erklärte Hopp. Die Steuergesetze seien investitionsfeindlich, da nur 60 % der Investitionen abgeschrieben werden könnten mit dem Argument, dass man die Erlöse auch nur mit 60 % versteuern müsse. “Menschen in meinem Alter werden nicht mehr investieren – oder sollten nicht mehr investieren – weil mit dem Tod Verlustvorträge verfallen.”Doch auch Investoren, die nicht zu den Octogenarians zählen, würden abgeschreckt, was auch der Grund dafür sei, warum ausländische Investoren “höchst selten” in deutsche Biotechunternehmen investieren. Es sei “ein kleines Wunder, dass es in Deutschland dennoch einige großartige Biotech-Firmen gibt, die ohne die steuerlichen Hindernisse allerdings sehr viel weiter entwickelt sein könnten”, erklärte Hopp und richtete einen Appell an Altmaier: “Ich möchte der Politik ausdrücklich dazu raten, eine mutige, dramatisch verbesserte Behandlung von solchen Risikoinvestitionen anzugehen.” Risiken und NebenwirkungenHopp hat mit Dievini trotz schwieriger Rahmenbedingungen bereits mehr als 1,4 Mrd. Euro in Biotechfirmen gesteckt und erst Ende April der börsennotierten Heidelberg Pharma eine Zusage über 15 Mill. Euro gemacht, womit die Finanzierung bis 2021 gesichert werden sollte. Bei Curevac, deren Finanzbedarf Hopp noch vor einigen Monaten auf rund 100 Mill. Euro pro Jahr bezifferte, hat er jetzt einen neuen Biotech-Investor aus Berlin ins Boot geholt, der trotz aller Begeisterung für das Unternehmen eine nüchterne Einschätzung zu dessen Erfolgsaussichten hat: “Für mich ist klar, dass die Entwicklung von Impfstoffen auch mit Risiken und Ausfallwahrscheinlichkeiten verbunden ist”, sagte Altmaier. Auch er wisse nicht, welches Unternehmen wann den ersten verfügbaren Impfstoff gegen Covid-19 entwickeln werde. “Aber wir wissen eines. Curevac ist vorne mit dabei. Und darauf sind wir stolz.”