Ein altgedienter "Telekomer"
Ein altgedienter "Telekomer"
Von Heidi Rohde, FrankfurtDirk Wössner, der neue Chef des Deutschlandgeschäfts der Deutschen Telekom, ist das, was Konzernlenker Tim Höttges einen gestandenen “Telekomer” nennen würde. Er teilt dieses Etikett nicht zufällig mit einem Vorstandskollegen, der im kommenden Jahr ein neues Ressort bei dem Bonner Konzern übernehmen wird: Personalvorstand Christian P. Illek, der 2019 die Nachfolge des scheidenden Finanzchefs Thomas Dannenfeldt antritt. Wössner ist überdies promovierter Chemiker – ebenso wie Illek, aber während man Höttges deshalb kaum eine Vorliebe für Chemiker unterstellten sollte, ist unübersehbar, dass er gegenüber dem Aufsichtsrat gerne für die Bestellung von langjährigen Weggefährten in den Vorstand wirbt.Wössner, der bereits 2002 zum Telekom-Konzern kam und bis zum Vertriebschef in Deutschland aufgestiegen war, als er 2015 zur kanadischen Rogers Communications wechselte, genießt unverkennbar große Wertschätzung des Telekom-Vorstandsvorsitzenden. Der hatte schon damals gesagt, dass für Wössner in Bonn “immer eine Tür offen stehen” werde. War es also der Rückkehrwunsch des 49-Jährigen, für den sich “ein Zeitfenster für einen Wechsel geöffnet hatte”, wie Telekom-Aufsichtsratschef Ulrich Lehner es formuliert hat, der dazu führte, dass Niek Jan van Damme seinen Posten für ihn räumen musste? Im Gegensatz zu einem anderen Neuankömmling in der Telekom-Führungsetage, dem neuen T-Systems-Lenker Adel Al-Saleh, der vor einer schwierigen Restrukturierungsaufgabe steht, übernimmt Wössner, wie er selbst zwei Monate nach seinem Antritt sagt, “ein gut bestelltes Haus”. Er gibt daher als Verantwortlicher für das Festnetz- und Mobilfunkgeschäft im Heimatmarkt auch keine Signale, einen Strategieschwenk anstoßen oder grundsätzlich andere Akzente setzen zu wollen. Die Einführung eines neuen teuren “Sorgenfrei-Tarifs” in der Magenta-Mobil-Serie ist jedenfalls eher die Bewirtschaftung eines – seit Jahren erfolgreichen – Programms, das sein Vorgänger aus der Taufe gehoben hat. Mobilfunk läuftIm Mobilfunk läuft es für die Telekom rund, lobt Wössner denn auch nochmals seine Ausgangsposition auf dem deutschen Markt, wo die Magenta-Marke bei den Handykunden genügend Strahlkraft hat, um die Marktführerschaft auch gegenüber dem zweiten Platzhirsch Vodafone seit Jahren zu verteidigen. “Wir liegen 600 Mill. Euro Umsatz vor dem Zweiten”, so Wössner. Das Mobilfunkgeschäft wächst, wenn auch nur geringfügig (+ 0,7 % im Jahr 2017), während die Festnetzsparte weiterhin im Rückwärtsgang ist, ebenfalls geringfügig (- 0,9 %).Bei Rogers Communications war der Manager fürs Privatkundengeschäft zuständig. Unter seiner Leitung führte das kanadische Unternehmen hochauflösendes Fernsehen und eine flächendeckende Breitbandversorgung mit einer Internetzugangsgeschwindigkeit von 1 Gigabit pro Sekunde ein. Was seine Pläne für das Festnetzgeschäft im Heimatmarkt angeht, dessen Wohl an der Wettbewerbsfähigkeit der Telekom im Breitbandgeschäft und nicht zuletzt am Erfolg des TV-Produkts Entertain hängt, hält sich der Manager bedeckt. Er lässt zunächst nur verlauten, die “sehr dogmatische Diskussion über die richtige Technologie in Deutschland” habe ihn bei seiner Rückkehr “überrascht”. Allerdings wird die richtige Netzausbau-Strategie für den Neffen des ehemaligen Bertelsmann-Lenkers Mark Wössner ein entscheidender Erfolgsmaßstab sein. Ins Festnetz, wo der Telekom die Kabelkonkurrenz und lokale Netzbetreiber im Nacken sitzen, wird nach wie vor das Gros der Investitionen von zuletzt rund 4,2 Mrd. Euro fließen müssen. Hinzu kommen aber die Ausgaben für neue Mobilfunklizenzen in der anstehenden Auktion für den 5G-Standard, bei der der Bund sich Milliarden erhofft. Der neue Deutschlandchef wird sich nach der Decke strecken müssen.