Große Bühne für Tronchetti Provera
Große Bühne für Tronchetti Provera
bl – Marco Tronchetti Provera ist eine der schillerndsten Unternehmerpersönlichkeiten Italiens – auch wenn er zuletzt nicht mehr so in den Schlagzeilen war. Der CEO des Reifenherstellers Pirelli, einst als Mr. Italy bekannt, ist ja inzwischen auch schon 72. Doch jetzt hat der Mailänder noch einmal für Aufsehen gesorgt. Denn der Geschäftsführer und größte Anteilseigner des Pirelli-Aktionärs Camfin, der 10,1 % der Anteile an dem Reifenhersteller hält, ist eine Partnerschaft mit dem chinesischen Milliardär Yishun Niu eingegangen, dessen Holding Longmarch 5,1 % an Pirelli erwarb und eine Call Option für weitere 4,8 % hat. Zusammen kämen die beiden Partner auf mehr als 20 %, und Camfin könnte sogar aufstocken. Größter Aktionär bleibt die chinesische Chemchina, die 2015 die Mehrheit bei Pirelli gekauft hat, mit derzeit 46 %. Für weiteres Aufsehen sorgte der Bremsenhersteller Brembo, der mit 2,4 % einstieg.Der selbstbewusste und durchaus eitle Tronchetti Provera wertet das Interesse der neuen und alten Aktionäre als Beleg für die Qualität der Arbeit der letzten Jahre und die Solidität der Gruppe – und das in dieser schweren Zeit. Es versteht sich, dass er damit vor allem seine Arbeit meint.Der eloquente und energische Italiener, der an der renommierten Bocconi-Universität seiner Heimatstadt Wirtschaft und Business Administration studiert hat, war einst Vorbild einer ganzen Aufsteigergeneration in Italien. 1986 heiratete er die Tochter des Pirelli-Gründerenkels und Ex-Konzernchefs Leopoldo Pirelli, Cecilia, in zweiter Ehe. Und 1992 rückte er an die Konzernspitze. Es gelang ihm, das nach der gescheiterten Continental-Übernahme hoch verschuldete Unternehmen zu sanieren, indem er ein rigoroses Sparprogramm durchzog, nichtstrategische Aktivitäten wie das Kabelgeschäft (heute Prysmian) verkaufte und in neue Technologien investierte. Nach dem Einstieg von Chemchina brachte er Pirelli 2017 wieder an die Börse.Weniger erfolgreich war der schillernde dreifache Vater, der 2001 das tunesische Ex-Model Afef Jnifen geheiratet hat und mit mondänen Auftritten einen Hauch Agnelli zu versprühen suchte, bei Telecom Italia. Der mehrmals in Skandale verwickelte, aber stets freigesprochene Tronchetti Provera erwarb 2001 den Ex-Staatskonzern und versuchte es mit der gleichen Rosskur wie bei dem Reifenkonzern. Doch er scheiterte, verkaufte die Anteile, und Telecom Italia wurde zum Spielball ausländischer Investoren.