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Günther punktet im Machtkampf bei Francotyp-Postalia

Von Helmut Kipp, Frankfurt Börsen-Zeitung, 27.5.2020 Quartalszahlen können ein Statement sein: Per Ad-hoc-Meldung lässt CEO Rüdiger Andreas Günther verbreiten, dass Francotyp-Postalia in den ersten drei Monaten 2020 ein starkes Ergebnis erzielt...

Günther punktet im Machtkampf bei Francotyp-Postalia

Von Helmut Kipp, FrankfurtQuartalszahlen können ein Statement sein: Per Ad-hoc-Meldung lässt CEO Rüdiger Andreas Günther verbreiten, dass Francotyp-Postalia in den ersten drei Monaten 2020 ein starkes Ergebnis erzielt habe. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15 % auf 8,0 Mill. Euro gestiegen. Die Nachricht sendet das Signal: Seht, das Unternehmen schlägt sich besser als erwartet. Es gibt also keinen Grund, mich zu feuern.Bei dem in Berlin ansässigen Hersteller von Frankier- und Kuvertiermaschinen tobt seit Monaten ein ungewöhnlicher Machtkampf. Günther, der eigentlich geschasst sein sollte, macht einfach weiter. Noch bizarrer wird das Ganze ab nächster Woche. Am 1. Juni soll nämlich der neue Vorstand Carsten Lind antreten. Der Aufsichtsrat hatte ihn im Februar berufen, um ihn als Nachfolger Günthers zu installieren. Doch der alte CEO, der als Kämpfertyp gilt und früher deutscher Karatemeister war, machte klar, dass er von einer Vertragsauflösung nichts wissen will. In der Belegschaft hat er einen guten Ruf. Noch wichtiger: Der 1958 geborene Betriebswirt hat das Vertrauen der kreditgebenden Banken.Welche Verantwortlichkeiten Lind übernehmen soll, ist bis dato unbekannt. Mit ihm würde der Vorstand auf vier Personen anschwellen – reichlich viel für ein mit 209 Mill. Euro Umsatz im vergangenen Jahr vergleichsweise kleines Unternehmen, das überdies keinesfalls auf Rosen gebettet ist.Mit Beharrungsvermögen und Nervenstärke hat Günther es bislang geschafft, seinen Gegenspieler, den Aktionär Rolf Elgeti, auf Distanz zu halten. Die von Elgeti geforderte außerordentliche Hauptversammlung, die dem Manager das Vertrauen entziehen sollte, hat bis heute nicht stattgefunden. Zum Showdown könnte es auf der regulären Hauptversammlung kommen. Diese war ursprünglich am 17. Juni 2020 geplant, wurde aber angesichts der Pandemie und der verzögerten Vorlage des Geschäftsberichts verschoben. Als neuer Termin ist Mitte August im Gespräch. Das Datum solle festgelegt werden, sobald unter Berücksichtigung der behördlichen Auflagen mit hinreichender Sicherheit eine ungehinderte Durchführung gewährleistet sei, gab Francotyp unlängst bekannt. Günther bevorzugt eine Präsenzveranstaltung. Dann hätte er Gelegenheit, seine Anliegen ausführlich darzulegen.Derweil baut Elgeti seine Aktionärsposition aus. Der gebürtige Rostocker, der sich in jungen Jahren einen Namen als Aktienstratege machte, an die Spitze des Wohnungskonzerns TAG wechselte und heute als Immobilieninvestor und -manager tätig ist, hält über seine Obotritia Capital 28 % der Francotyp-Stimmrechte. Zweitgrößter Anteilseigner ist Active Ownership Fund, deren Gründungspartner Aufsichtsratschef Klaus Röhrig ist. Der aktivistische Aktionär verfügt über 9,5 % der Aktien. Klar ist: Gegen die beiden Haupteigentümer wird sich Günther auf Dauer nicht behaupten können.Den geplanten Rauswurf begründete der Aufsichtsrat, der den seit 2016 amtierenden CEO noch im Juni 2019 mit einer Vertragsverlängerung bis Ende 2022 ausgestattet hatte, mit Differenzen über die Umsetzung der Konzernstrategie. Worum es dabei geht, bleibt für Außenstehende im Dunkeln. Elgeti teilt mit, dass er sich aktuell nicht zur Situation bei Francotyp äußert.