Innogy sucht einen neuen Aufsichtsratschef
Innogy sucht einen neuen Aufsichtsratschef
cru – Der Vorstandschef der RWE-Tochter Innogy hat sich bedauernd zum überraschend angekündigten Rücktritt des Innogy-Aufsichtsratschefs Werner Brandt geäußert. “Das ist schade. Die Zusammenarbeit war absolut top”, sagte Terium vor der Wirtschaftspublizistischen Vereinigung Düsseldorf. Brandt, der auch RWE-Aufsichtsratschef ist, habe rein persönliche Gründe vorgebracht.Kaum ein Jahr an der Börse, muss sich Innogy nun auf die Suche nach einem neuen Aufsichtsratsvorsitzenden machen. Brandt (63), der den Posten bei Innogy nach der Abspaltung von RWE im Juli 2016 zusätzlich übernommen hatte, legt sein Mandat mit Wirkung zum Jahresende 2017 “aus persönlichen Gründen” nieder, wie Innogy am Dienstagabend in einer Pflichtmeldung mitteilte. Was genau hinter der Entscheidung steht, ist nicht bekannt, gesundheitliche Gründe sind es dem Vernehmen nach jedoch nicht.Mit der Formulierung sollten Spekulationen vermieden werden, dass es etwa einen Interessenkonflikt gebe oder RWE ein Übernahmeangebot für Innogy auf dem Tisch liegen habe, sagte Terium. “Es gibt keine geschäftlichen Gründe, die Innogy oder RWE betreffen.” RWE-Posten unberührtBrandt ist auch Aufsichtsratschef von RWE. Der Konzern geht davon aus, dass er dies auch bleibt, wie eine RWE-Sprecherin sagte. In der Hauptversammlung des Innogy-Mutterkonzerns RWE hatten die Vertreter der Fondsgesellschaften Deka und Union in diesem Jahr Kritik an der Ämterhäufung einiger RWE-Aufsichtsratsmitglieder geübt und dabei insbesondere auf die Doppelrolle von Brandt als Vorsitzendem der Kontrollgremien von RWE und Innogy abgestellt. Das Doppelmandat sei allenfalls für eine Übergangszeit akzeptabel, hieß es.Brandt hält neben seiner Rolle als Innogy-Aufsichtsratschef auch Aufsichtsratsposten bei der Lufthansa und der Osram Licht AG. Außerdem ist er Aufsichtsratschef bei ProSiebenSat.1 Media. Möglicherweise sei ihm die Zahl der Mandate zu groß geworden, hieß es.Vielleicht geht es aber auch darum, künftigen Interessenkonflikten aus dem Weg zu gehen, wenn es eines Tages darum gehen sollte, dass RWE einen Teil ihrer Innogy-Aktien abstoßen will. Innogy ist wiederholt ins Zentrum von Übernahmespekulationen geraten. Ein Interesse an dem RWE-Anteil an Innogy von 77 % wird trotz mancher Dementi unter anderem immer wieder dem französischen Versorger Engie, dem spanischen Konkurrenten Iberdrola oder dem italienischen Energiekonzern Enel nachgesagt.Kandidaten für die Nachfolge von Brandt wurden noch nicht genannt. Ende April 2017 hatte die Hauptversammlung von Innogy Brandt als Aufsichtsratsmitglied bestätigt, und er übernahm erneut den Vorsitz. Der langjährige SAP-Finanzchef Brandt gilt als erfahrener Fachmann. Kritik an seiner Amtsführung wurde nicht geäußert. Allerdings entwickeln sich die beiden Konzerne zunehmend eigenständiger. Bis Ende 2018 gilt nach den Regularien der Abspaltung ein Wettbewerbsverbot – danach könnte RWE der Tochter Innogy Konkurrenz bei erneuerbaren Energien machen. Daher spricht einiges für eine zukünftige Trennung der Aufsichtsratsposten, um etwaige Interessenkonflikte in der Zukunft zu vermeiden.