PERSONEN

Joachim Milberg 75

jh - Der 5. Februar 1999 war einer der aufregendsten Tage in der Geschichte von BMW. Es war mitten in der Rover-Krise. Stundenlang tagte der Aufsichtsrat. Dass Vorstandschef Bernd Pischetsrieder das britische Abenteuer zum Verhängnis werden würde,...

Joachim Milberg 75

jh – Der 5. Februar 1999 war einer der aufregendsten Tage in der Geschichte von BMW. Es war mitten in der Rover-Krise. Stundenlang tagte der Aufsichtsrat. Dass Vorstandschef Bernd Pischetsrieder das britische Abenteuer zum Verhängnis werden würde, war abzusehen. Und die Arbeitnehmerseite verhinderte den Sprung von Entwicklungsvorstand Wolfgang Reitzle an die Spitze. Die größte Überraschung aber war, dass BMW an jenem Freitagabend die Ernennung von Joachim Milberg, seit 1993 Vorstand für die Produktion, zum Konzernchef bekannt gab.Die Frage war: Ist der zurückhaltend wirkende Maschinenbau-Professor der Richtige, um BMW wieder in die Spur zu bringen? Er war es. Als alles Bemühen um Rover vergeblich war, trat Milberg auf die Bremse. Der Verkauf der britischen Marke samt Land Rover bedeutete den Rückzug aus dem Mittelklassesegment. Mini und Rolls-Royce blieben im Konzern. So fand der Autohersteller zu alter wirtschaftlicher Stärke zurück. Nach nur drei Jahren gab der in Westfalen geborene Milberg den Posten des Vorstandschefs auf. Ein Bandscheibenvorfall zwang ihn dazu. Von 2004 bis 2015 stand er an der Spitze des Kontrollgremiums.Als Milberg von der großen BMW-Bühne abtrat, gab es viele lobende Worte – etwa von Großaktionär Stefan Quandt: “Im Unternehmen werden alle Führungskräfte und Mitarbeiter Ihre noble Bescheidenheit, Ihren wachen Geist, Ihre klugen Analysen und Ihre große Empathie in bester Erinnerung haben.” Für Milberg hatte BMW eine Ausnahme gemacht. Er übertraf die Altersgrenze von 70 für Aufsichtsräte um zwei Jahre.Dem Unternehmen ist er immer noch verbunden. Milberg ist Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung BMW Foundation Herbert Quandt. Am 10. April wird er 75 Jahre alt.