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L'Oréal-Chef umgarnt Großaktionär Nestlé

Von Gesche Wüpper, Paris Börsen-Zeitung, 10.2.2018 Was passiert mit der Beteiligung von Nestlé an L'Oréal? Diese Frage stellen sich Kenner der Kosmetikbranche bereits seit Jahren immer mal wieder. Der Tod von Konzernerbin Liliane Bettencourt im...

L'Oréal-Chef umgarnt Großaktionär Nestlé

Von Gesche Wüpper, Paris Was passiert mit der Beteiligung von Nestlé an L’Oréal? Diese Frage stellen sich Kenner der Kosmetikbranche bereits seit Jahren immer mal wieder. Der Tod von Konzernerbin Liliane Bettencourt im September hat entsprechende Spekulationen weiter angeheizt. Denn der Schweizer Nahrungsmittelkonzern, der seit 1974 Großaktionär von L’Oréal ist, hat sich zusammen mit der Erbenfamilie des französischen Kosmetikriesen 2014 in einem Aktionärspakt verpflichtet, seine Beteiligung erst sechs Monate nach dem Tod von Liliane Bettencourt zu verändern. Diese Frist läuft am 21. März aus. Der Milliardär Daniel S. Loeb, Chef des amerikanischen Hedgefonds Third Point, übt bereits Druck auf Nestlé aus, die L’Oréal-Beteiligung zu verkaufen, seit er im Juni letzten Jahres mit 1,25 % ins Kapital der Schweizer eingestiegen ist. Nestlé hält rund 23 % des Kapitals der weltweiten Nummer 1 der Kosmetikbranche, die an der Börse derzeit 96,6 Mrd. Euro wert ist. Die Beteiligung an L’Oréal sei ein fabelhaftes Investment, erklärte Nestlé-Chef Mark Schneider Ende September. Die Beteiligung sei hochstrategisch, und es gebe keine Eile, etwas an den Beziehungen zu ändern, sagte er Bloomberg TV im vergangenen Jahr. Doch Loeb findet, dass sich der Schweizer Nahrungsmittelkonzern lieber auf sein eigenes Geschäft konzentrieren sollte. Die Spekulationen um die Beteiligung von Nestlé wurden nun durch L’Oréal-Chef Jean-Paul Agon weiter angekurbelt. Sollten die Schweizer verkaufen wollen, sei L’Oréal bereit, diesen Anteil zu kaufen, erklärte er. “Wenn sie, ich sage ausdrücklich wenn, Nestlé eines Tages verkaufen will, sind wir bereit”, sagte Agon während der Bilanzpressekonferenz in Clichy bei Paris und bestätigte damit seine Aussagen gegenüber der “Financial Times”. “Die Entscheidung ist Nestlé vorbehalten.” L’Oréal habe zumindest die notwendigen Mittel dafür, betonte der 61-Jährige, der seit zwölf Jahren an der Spitze des Kosmetikriesen steht. “Wir haben 1,8 Mrd. Euro in bar und unsere Beteiligung an Sanofi”, erklärte er. Agons Konzern hält 9,15 % an dem Pharmakonzern. “Wenn das nicht ausreichen sollte, werden wir bestimmt viele Liebesbriefe von Banken bekommen”, scherzte der Absolvent der Wirtschaftshochschule HEC. Die Banken seien sicher entzückt, L’Oréal Geld für den Rückkauf der Anteile von Nestlé zur Verfügung stellen zu können. Die Frage, ob er Informationen habe, ob Nestlé den Aktionärspakt erneuern wolle, verneinte Agon. Tiefe VerbundenheitDie Erbenfamilie von L’Oréal, die ihre Beteiligung 2014 von 30,6 % auf 33,31 % erhöht hat, hat nach dem Tod Liliane Bettencourts im September deutlich gemacht, dass sie daran festhalten will. Bettencourts Tochter Francoise Meyers sprach damals von einer tiefen Verbundenheit mit L’Oréal und sprach bei der Gelegenheit auch Konzernchef Agon erneut ihr Vertrauen aus. Der hatte bereits in der Vergangenheit Interesse an einem Rückkauf signalisiert.