Michael Otto 75
Michael Otto 75
ste – In den kleinen Saal der Hamburger Elbphilharmonie lud der Handelskonzern Otto am Montag Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft, von Medien, Nichtregierungsorganisationen und aus der Start-up-Szene, um über Themen wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz, die Krise der Globalisierung, über wachsende Ungleichheit, die Digitalisierung der Wirtschaft und die Zukunft der Bildung zu diskutieren. Das Symposium fand zu Ehren von Michael Otto statt, dem langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden des Konzerns, der am Donnerstag sein 75. Lebensjahr vollendet.Was den in Kulm (heute Chelmo/Polen) geborenen Hamburger Unternehmer, den die “Forbes”-Liste als reichsten Norddeutschen aufgeführt hat, dazu brachte, sich für Ökologie zu interessieren, noch bevor die Grünen in den Bundestag einzogen, war der 1972 erschienene erste Bericht des Club of Rome, wie Otto in einem gerade erschienenen Interview mit dem “Hamburger Abendblatt” offenbarte. “Die Grenzen des Wachstums” seien ein “zentrales Erlebnis” gewesen. Sein Gespür für gesellschaftlich wie wirtschaftlich wegweisende Umbrüche bewies der gelernte Bankkaufmann und promovierte Volkswirt später auch mit der frühzeitigen Umstellung des von seinem Vater Werner Otto gegründeten Versandhausunternehmens auf das Internet-Zeitalter. Heute zählt der Otto-Konzern zu den weltweit fünf größten Internethändlern. Mit Online-Umsätzen von mehr als 5,4 Mrd. Euro im vergangenen Geschäftsjahr ist die Gruppe in Deutschland hinter Amazon die Nummer 2.Apropos Amazon: Der “Welt am Sonntag” verriet Otto, der im Herbst 2007 nach 26 Jahren an der Vorstandsspitze auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden wechselte, in einem anderen Interview die Anekdote, dass er im Jahr 2000 von Amazon-Gründer Jeff Bezos gefragt worden sei, 100 Mill. Euro in dessen Unternehmen zu investieren. Er habe abgelehnt – im Nachhinein ein Anlageversäumnis. Eine Öffnung seines Handelskonzerns, der im Geschäftsjahr 2017/18 (28. Februar) den Umsatz um rund 9 % auf fast 13,7 Mrd. Euro ausbaute, für die Börse kommt für den Milliardär anders als für den Amazon-Gründer weiter nicht in Betracht. 2015 kündigte Otto an, die Mehrheit am Konzern in eine gemeinnützige Stiftung zu übertragen und somit den Einfluss der Otto-Familie auf das Unternehmen langfristig zu sichern. Dass Otto für den Online-Shop About You derzeit einen strategischen Partner sucht und einen späteren Börsengang der Tochter nicht ausschließt, ändert nichts daran, dass sich der Konzern mit seinen 52 000 Vollzeitstellen keinem Druck von Investoren aussetzen will.