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Neuer Carrefour-CEO muss handeln

Von Walther Becker, Frankfurt Börsen-Zeitung, 10.6.2017 Die Würfel sind gefallen. Alexandre Bompard wird neuer Chef der französischen Carrefour, dem zweitgrößten Einzelhandelskonzern auf dem Globus. Der 44-Jährige war bisher Chief Executive der neu...

Neuer Carrefour-CEO muss handeln

Von Walther Becker, FrankfurtDie Würfel sind gefallen. Alexandre Bompard wird neuer Chef der französischen Carrefour, dem zweitgrößten Einzelhandelskonzern auf dem Globus. Der 44-Jährige war bisher Chief Executive der neu formierten Fnac Darty. Er folgt zum 18. Juli dieses Jahres auf Georges Plassat (68), dessen Vertrag noch bis Mai 2018 lief. Bompard eilt der Ruf des Kostendrückers und eines Managers voraus, der auf die Online-Expansion setzt. Er muss vor allem das Internetgeschäft ankurbeln, Carrefour im Heimatmarkt aufmöbeln und die geplanten Börsengänge angehen.Die Bücher- und Musikhandelskette Fnac hatte 2016 in einem Bieterstreit mit Steinhoff International die britische Elektrohandelskette Darty gekauft. Zudem beteiligte sich Vivendi mit 15 %. Bompard war 2010 zur damaligen Tochter von PPR (heute Kering) gegangen und musste sich dort intensiv dem Wettbewerb von Amazon stellen.Plassat hatte erst 2012 Lars Olofsson abgelöst. Der Manager, der den Großteil seiner Karriere beim Rivalen Casino verbrachte, hatte sich nach seinem Amtsantritt als Aufräumer hervorgetan und Aktivitäten in Griechenland, Indonesien und Kolumbien abgestoßen. Währen der Rivale Metro vor der Aufspaltung steht und im Freigabeverfahren am 22. Juni mit einer gerichtlichen Entscheidung rechnet, steckt auch Carrefour im Umbau, wenn auch nicht ganz so elementar.Bei dem Einzelhandelsriesen mit der Hellebarde im Logo gibt es Spannungen zwischen den Anteilseignern: 10,2 % hält die Familie Moulin (Galeries Lafayette), 7,9 % liegen bei Abilio Diniz aus Brasilien und 5,4 % hält der streitbare Multimilliardär Bernard Arnault, der auch Großaktionär des Luxuskonzerns LVMH ist. Nach zehn Jahren war der US-Finanzinvestor Colony Capital im Januar ausgestiegen. Zwei Börsenpfeile im KöcherDie 1960 gegründete Carrefour bringt es aktuell auf eine Marktkapitalisierung von rund 17,5 Mrd. Euro. Betrieben werden etwa 12 000 Geschäfte in 30 Ländern mit 380 000 Beschäftigten. Der Umsatz lag 2016 bei 79 Mrd. Euro, wovon vor Steuern und Zinsen 2,3 Mrd. Euro als Ergebnis hängen blieben. Rund 45 % trägt Frankreich zum Volumen bei, gefolgt von Brasilien mit 15 % und Spanien mit 10 %. Doch operativ lässt das Geschäft zu wünschen übrig: Der Heimatmarkt aber auch China machen zu schaffen. Umsetzen soll Bompard den langjährigen Plan, die brasilianische Aktivitäten sowie die Immobiliensparte an die Börse zu bringen. Wegen der Wirtschaftskrise wächst Carrefour in Brasilien nurmehr moderat. Bei den Immobilien geht es um den Einkaufszentrenbetreiber Carmila, der Carrefour zu 42 % gehört. Der Portfoliowert wurde auf 4,5 Mrd. Euro taxiert. Carmila bewirtschaftet 189 Objekte neben großen Carrefour-Zentren in Frankreich, Italien und Spanien. Zu den Eigentümern gehören auch Colony Capital, Versicherer Axa, BNP Paribas und Pimco.Dagegen muss Carrefour in ihrem mit Abstand wichtigsten Markt Frankreich rückläufige Umsätze hinnehmen. Das Betriebsergebnis brach in der Heimat zuletzt um 13,4 % auf 1,0 Mrd. Euro ein und die operative Marge auf 2,9 %. Grund dafür sind zum einen die riesigen, Hypermarché genannten Supermärkte außerhalb der Städte, die bei den Franzosen nicht mehr so gut ankommen wie früher. Carrefour hat deshalb viel Geld in Werbeaktionen gesteckt. Zudem enttäuscht der Discount-Ableger Dia, der 2011 an die Börse in Madrid gebracht worden war. Hier belastet auch der Vormarsch von Aldi und Lidl im Nachbarland.