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Pause im Schlecker-Prozess

dpa-afx/igo - Im Prozess gegen den früheren Drogeriemarktbesitzer Anton Schlecker hat der Angeklagte nun erst einmal frei. Erst nach der Sommerpause, am 4. September, wird die Verhandlung fortgesetzt. Als letzter Punkt vor der Pause stand am Freitag...

Pause im Schlecker-Prozess

dpa-afx/igo – Im Prozess gegen den früheren Drogeriemarktbesitzer Anton Schlecker hat der Angeklagte nun erst einmal frei. Erst nach der Sommerpause, am 4. September, wird die Verhandlung fortgesetzt. Als letzter Punkt vor der Pause stand am Freitag die Aussage des Chefermittlers vor dem Stuttgarter Landgericht auf dem Programm.Die Staatsanwaltschaft wirft dem 72-jährigen Schlecker betrügerischen Bankrott vor. Schlecker hatte Anfang 2012 Insolvenz angemeldet. Die Anklage geht jedoch davon aus, dass Anton Schlecker die drohende Zahlungsunfähigkeit bereits 2009 bewusst war. In der Folge soll er mehr als 20 Mill. Euro aus dem Unternehmen gezogen haben, um es vor dem Zugriff der Gläubiger zu sichern. In zwei Konzernabschlüssen soll er zudem falsche Angaben gemacht haben. Seine Kinder Lars und Meike sind wegen Beihilfe zum betrügerischen Bankrott mitangeklagt. Die Verfahren gegen Schleckers Frau Christa und zwei Wirtschaftsprüfer, die fragwürdige Teile in der Bilanz durchgewunken hatten, wurden gegen Geldauflagen eingestellt.Der Aussage des Chefermittlers zufolge hat Schlecker in den Jahren vor der Insolvenz zahlreiche Grundstücke an seine beiden Kinder und seine Frau übertragen. Den Kindern habe er zudem einen Tennisplatz geschenkt, Sohn Lars habe er darüber hinaus eine Wohnung in Berlin gekauft und die Renovierungskosten übernommen. Letzteres summierte sich auf rund 2 Mill. Euro.Bei Anton Schlecker sei nach der Insolvenz kein nennenswertes Vermögen auf den Konten gefunden worden. Bei den Kindern und ihrer Mutter waren es demnach jeweils rund 10 Mill. Euro. Es seien zeitweise bis zu zehn Ermittler mit dem Fall beschäftigt gewesen. Sie hätten 30 Konten der Familie unter die Lupe genommen. Es seien dabei keine Überweisungen ins Ausland festgestellt worden.Schlecker hat sich im bisherigen Verlauf erst zweimal zu Wort gemeldet und weist die Vorwürfe zurück. Er sei von der Fortführung der Drogeriekette immer überzeugt gewesen. “Die Insolvenz für mein Unternehmen war für mich unvorstellbar”, hatte er im März ausgesagt. Die Geldgeschenke und andere Zahlungen an Kinder und Enkel vor der Insolvenz stünden in keinem Zusammenhang mit einer drohenden Zahlungsunfähigkeit. Ein von der Staatsanwaltschaft beauftragter Gutachter kam zu dem Schluss, dass die Insolvenz Ende 2009 absehbar gewesen sei. Ein zweiter Experte, von der Verteidigung beauftragt, meint hingegen, dass Schlecker erst Ende 2011 habe absehen können, was seiner Firma droht. Schlecker führte seine milliardenschwere Kette als Einzelkaufmann, der folglich auch alleine haftet.