Problem-Lawine überrollt Konzernchef von Provident
Problem-Lawine überrollt Konzernchef von Provident
gho – Der britische Kreditanbieter Provident Financial preist auf seiner Webseite die Schuldenaufnahme von bis zu 1 000 Pfund für Kunden mit geringer Bonität an, die von traditionellen Banken links liegengelassen werden. Ähnlich wie die Kunden dürften sich am Dienstag die Aktionäre von Provident gefühlt haben. In einer einzigen Mitteilung kamen mehrere schlechte Nachrichten zusammen: Das Finanzinstitut gab innerhalb von zwei Monaten die zweite Warnung ab, dass die Gewinnprognose zu optimistisch gewesen sei. Zuvor hatte das Unternehmen von einer Reduktion des Gewinns in der Sparte der Konsumentenkredite auf 60 Mill. Pfund gesprochen. In der jüngsten Prognose rechnet Provident gar mit einem Verlust von bis zu 120 Mill. Pfund im laufenden Jahr.Die Ende Juli beschlossene Zwischendividende wurde wieder gestrichen, die Dividendenrendite sackte von stattlichen 8 % auf null ab. Eine Gewinnausschüttung für das Gesamtjahr erscheint ebenso unwahrscheinlich. Konzernchef Peter Crook trat mit sofortiger Wirkung zurück. Außerdem läuft eine Untersuchung der britischen Finanzmarktaufsicht gegen Provident. Der Aktienkurs des Unternehmens, das im Dezember 2015 in den britischen Leitindex FTSE 100 aufgestiegen war, rutschte im Vormittagshandel um mehr als 60 % ab.Am Chaos ist eine verpatzte Neuaufstellung des Vertriebsnetzes schuld. Das Geld wird den Kunden an die Türe gebracht, wo auch die Zahlungen eingetrieben werden. Crook stellte in der vergangenen Zeit von Personen, die auf Kommissionsbasis arbeiten, auf mit neuester Technologie ausgerüstete Festangestellte um. Dadurch kam es zu einem Geschäftseinbruch. Die Quote bei der Eintreibung von Krediten sank von 90 % im Jahr 2016 auf 57 %. Zudem wurden weniger Kredite vermittelt als in den betreffenden Vorjahreswochen. Was effizienter hätte werden sollen, bringt vorläufig nur Probleme ein.Der als bodenständig beschriebene und bullig wirkende Crook stand dem Unternehmen seit dem Jahr 2007 vor und baute ein profitables Finanzinstitut auf. Er stärkte die Geschäftsfelder mit Kreditkarten und Autokrediten für Kunden mit schlechter Bonität. Sein Fall wurde aber nicht durch eine Kreditkrise hervorgerufen. In Großbritannien sind vielen Beobachtern die Konsumentenkredite in Höhe von 260 Mrd. Pfund, ähnlich hoch wie zu Beginn der Finanzkrise, bereits ein Dorn im Auge. Besonders die Sparte der Autokredite wird mit Argwohn betrachtet. Crook stolperte vielmehr über eigene Managementfehler. Die Marktsituation könnte aber die Wachstumsaussichten für den Kreditanbieter bremsen.Eine neue Führung muss das Vertrauen in das Unternehmen wiederherstellen. Ein weiterer Mühlstein ist jedoch die Untersuchung der britischen Finanzmarktaufsicht gegen die Vanquis Bank, die zum Konzern gehört. Dabei steht ein früheres Finanzprodukt im Visier der Behörde, das eine spätere Stundung der Kredits gegen zuvor höhere Zahlungen erlaubte. Bis die Untersuchung abgeschlossen ist, zahlt die Vanquis Bank keine Dividende aus. Aufgrund der Lawine an Problemen schließen Analysten die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung nicht aus.